Ausstellung mit Rada Nastai und Sophie Ung

Wir haben für euch die Ausstellung Rada Nastai – Sophie Ung anlässlich der Vernissage am letzten Freitag im Bremer Raum 404 besucht.

Raum 404

Ansicht der Tür des Raum 404 (Ausstellungsraum)

Eingang zur Galerie
(c) Charlotte Kaemmerer

Ein wenig versteckt liegt der Ausstellungs- und Verantwortungsort in der Bahnhofsvorstadt. Wer nichts davon weiß, könnte leicht an der schlichten Tür vorbeigehen. Doch dahinter verbirgt sich ein Mikrokosmos der aktuellen Kunstszene jenseits des Mainstreams. Gregor Straube ist seit zwei Jahren verantwortlich für die Ausstellungen überwiegend junger internationaler Künstler*innen im Raum 404, der zum Kulturnetz e.V. gehört. Dazu veranstaltet er Workshops mit Künstler*innen für Jugendliche. An den Ausstellungsraum grenzen außerdem Ateliers an, in denen Bremer Künstler*innen arbeiten. Zurzeit präsentiert er Rada Nastai und Sophie Ung – zwei interessante Künstlerinnen.

2020 für Kunst von Frauen

Das Besondere in diesem Jahr ist, dass Straube ausschließlich Kunst von Frauen ausstellt.

„Ich habe mir Vieles angeguckt und es ist einfach passiert, dass ich dieses Jahr keine Männer einlade.“

So kommt es auch, dass er Kunst von Rada Nastai und Sophie Ung ausstellt. Die zwei unterschiedlichen Künstlerinnen haben ihn schon auf anderen Kunstfesten fasziniert. Rada Nastai ist Photographin und arbeitet mit analoger Schwarzweißphotographie sowie gefundenen Bildern. Und Sophie Ung zeichnet mit Filzstift Frauen in bunten ornamentalen Bildserien. Beiden ist gemeinsam, dass sie sich nicht verbiegen, um in einer bestimmten Kunstszene bekannt zu werden.

Rada Nastai und die Illusion der Ewigkeit

Künstlerin Rada Nastai vor ihren Photographien bei der Vernissage im Raum 404

Rada Nastai vor ihren Werken bei der Vernissage (c) „Courtesy of the artist a and Tania Giovo“

Die Künstlerin Rada Nastai aus Rumänien lebt in Berlin und ist fasziniert von der Photographie – einer Kunstform, die mehr Anerkennung verdient, als sie in konservativen Kreisen bekommt. In ihrem Masterstudium der Photographie hat sie sich mit diesem Aspekt beschäftigt.

„Ich habe realisiert, dass es nicht genug Auseinandersetzung mit der Photographie als Kunstform gibt. Die meisten Fotos entsteht nicht für die Kunst, sondern als Werkzeug.“

Nastai macht Photographie als Kunst. Besonders fasziniert sie dabei die Illusion der Ewigkeit.

„Im Studium habe ich gemerkt, dass Photographie eng mit Erinnerungen zusammenhängt und der Tatsache, dass wir Dinge bewahren wollen. Das ist das Schöne, denn Photographie gibt uns das Gefühl der Ewigkeit.“

Die Künstlerin arbeitet am liebsten analog. Dabei gibt es nur nur einen Versuch. Sie entwickelt die schwarzweißen Fotos selbst, weil sie den Prozess und die Überraschung mag. Aber sie will auch die Kontrolle über ihre Werke behalten und unabhängig arbeiten.

Ihre Motive zeigen häufig Personen, die sie gut kennt. Dadurch fängt sie die Menschen so ein, wie sie wirklich sind. Sie lichtet überwiegend Frauen ab, was sie als intimer empfindet. Spannend sind auch ihre Bücher, wie ihr Buch Pomegranates mit gefundenen Bildern aus einem ehemaligen Harzer Krankenhaus. Diese und andere Arbeiten hat sie in einen neuen Kontext gesetzt. Denn der Kontext verändert die Bedeutung.

Die Photographien von Nastai sind nie durch Bildunterschriften ergänzt. Sie möchte den Betrachter*innen die Chance geben, die Bilder selbst zu interpretieren. Bei jeder Person kann eine Photographie verschiedene Gefühle auslösen. Außerdem will sie ihre Kunst nicht „überintellektualisieren“.

Sophie Ung und das ornamentale Element

Künstlerin Sophie Ung sitzt in ihrem Atelier

Sophie Ung in ihrem Atelier
(c) Sophie Ung

Sophie Ung ist Künstlerin, Illustratorin und Grafikerin. Die Französin lebt in Brüssel mit ihrem Partner, mit dem sie auch tätowiert. Zentrales Thema ihrer ornamentalen Zeichnungen ist die Identität. Außerdem geht es um gesellschaftliche Aspekte. Ung lässt zuweilen autobiographische Elemente mit einfließen. Sie nimmt zum Beispiel in einigen ihrer Werke Bezug zu Liedern aus Kambodscha, dem Herkunftsland ihrer Eltern. Sie stellt weibliche Figuren in meist leicht entrückten Situationen dar. Das Besondere an ihren Zeichnungen ist, dass sie Serien aus mehreren Bildern erschafft und immer eine Geschichte dazu schreibt. Die behält sie aber für sich. Straube mag das Verspielte an ihrer Kunst, die sich nicht zu schade ist, schön auszusehen.

Galerist Gregor Straube im Raum 404 vor Werken von Sophie Ung

Galerist Gregor Straube vor den Bildern von Sophie Ung
(c) Charlotte Kaemmerer

Die Werke von Rada Nastai und Sophie Ung sind noch bis zum 3. Oktober im Raum 404 in der Nicolaistraße 34/36 zu sehen.

Öffnungszeiten:

Do + Fr: 16:00 – 19:00, Sa: 14:00 – 17:00.

 

 

 

Charlotte Kaemmerer

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