Berühmte Tänzerinnen #7: Jin Xing

Jin Xing (1967-heute)

Bei der heute vorgestellten Tänzerin Jin Xing aus China geht es nicht nur um ihre tänzerischen Fähigkeiten. Jin Xing symbolisiert neben ihrer herausragenden Leistung als Tänzerin auch die Transgender-Debatte der heutigen Zeit. Jin ist die erste Chinesin, die sich einer von der Volksrepublik China offiziell akzeptierten Geschlechtsumwandlung unterzogen hat. In ihrem Leben hat sie sich somit gleich mehrere Träume selbst erfüllt: sie ist berühmt als chinesische Tänzerin und Choreographin, sie lebt seit ihrem 28ten Lebensjahr ihre Identität als Frau aus, und sie hat sich ihren Traum erfüllt, Mutter zu werden.

Jin Xing und ihr unbändiger Wille

Zunächst kam Jin Xing jedoch als Sohn koreanisch-stämmiger Eltern in Shenyang zur Welt. Und begann von klein auf, ihrer Karriere als Tänzerin nachzueifern. Schon mit vier stand sie regelmäßig auf der Bühne. Mit neun Jahren begann sie schließlich eine Tanzausbildung bei der chinesischen Armee. Diese ermöglichte ihr wenig später ein Stipendium für die USA, wo Jin modernen Tanz studierte. Ihre Tanzausbildung hat sie körperlich und geistig gestärkt und gut vorbereitet auf die Hürden des Alltaglebens.

„Children have a lot of fantasy. Everything can be possible. Just wait and see what could happen.“

Jin ist eine selbstbewusste, zufriedene Frau. Sie ist stark und zeigt einen unbändigen Willen. In dem Interview „China 2017 – An Insight An Idea with Jin Xing“ bekräftigt sie ihre Liebe und ihre Zugehörigkeit zu China, die sie auch nach mehrjährigen Auslandserfahrungen in den USA und Europa nie vergessen hat. Herausforderungen und Schwierigkeiten in ihrem Land und ihrem Leben geht sie mit Charme und Humor gewappnet entgegen.

So hat sie sich auch dazu entschieden, ihre Geschlechtsumwandlung 1985 in China durchführen zu lassen. Die Sorglosigkeit ihrer Kindheit scheint sie bis heute beibehalten zu haben. Und durch das Tanzen hat sie einen Weg gefunden, für sich und ihre Entscheidungen im Leben zu sprechen: „I have a stage for myself“. Sie ist dankbar dafür, dass sie ihre Körpersprache einsetzen kann, um Menschen zu zeigen, was sie ausmacht: als Chinesin und als Frau.

„To keep Chinese nationality is very important.“

Anstatt sich kritisch über China zu äußern, zeigt Jin denn auch, dass der von vielen so hoch gelobte Westen mit seinen liberalen Gesellschaften und Menschenrechten nicht von Kritik ausgeschlossen bleibt. Seitdem sich China dem Westen geöffnet hat, habe überhaupt erst ein kritisches Umdenken und Hinterfragen gegenüber Heterosexuellen oder Transexueller in der chinesischen Gesellschaft stattgefunden. Erst durch die westliche Angewohnheit, alles in Kategorien einzuteilen und zu betiteln, sei in China die Debatte über Gender und Sexualität in den Alltag eingezogen, so Jin.

Maren Göttke

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