Die Rote Zora: Ein Kinderstück im Theater Bremen

Zur Winterzeit startet das Theater Bremen mit einem neuen Kinderstück. Nach den beiden Huckleberry Finn Aufführungen, steht nun ein starkes Mädchen im Vordergrund. Oder doch nicht? Der bekannte Kinderbuchklassiker Die Rote Zora in einer Bearbeitung von John von Düffel ist bis zum 1. März 2020 im Theater zu sehen. 

Die Rote Zora ist eine Gang-Leaderin. Sie ist die Anführerin der Jugendbande in einem kleinen kroatischen Dorf. Die Kinder sind aus verschiedenen Gründen allein unterwegs. Geflüchtet, verwaist, verlassen. Zusammen sind sie stark und wollen von niemandem Mitleid. Die Rote Zora und ihre Bande nimmt sich, was sie braucht. Doch sie haben auch Regeln. Das Hauptquartier ist gut versteckt. Die Bande die Familie.

Ein Mädchen und ein Junge sitzen auf einem Holzsteg und schauen sich an.

Emil Borgeest und Mirjam Rast (c) Jörg Landsberg/ Theater Bremen

Im Dorf gibt es aber auch noch Kinder, die kein Teil der Bande sind. Branko Babitsch zum Beispiel. Er hat seine Mutter verloren und steht nach ihrer Beerdigung allein da. Sein Vater, begnadeter Musiker, tingelt irgendwo in Kroatien herum. Branko hat keine Unterkunft und muss mit den Vorurteilen der Dorfbewohner*innen leben. Natürlich wird er wohl stehlen, natürlich ist er hinterlistig, so wird ihm unterstellt. Es ist kompliziert. Die drei privilegierten Gymnasiasten haben ihn auch schon auf dem Kieker.

Branko und Zora treffen sich

Zu schön wäre es, wenn Branko jetzt wirklich kriminell wäre. Mit allen Mitteln versuchen sie, ihn in diese Ecke zu drängen. Aber Branko hat ein gutes Herz und ist ehrlich. Nur ist er auch in Not. Zum Glück ist er nur fast auf der Straße gelandet. Er darf für eine Nacht zu seiner mauligen Oma Kata (Franziska Schubert). Sie ist im Dorf verschrien und weitestgehend aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Allerdings konsultiert mensch sie für die ein oder andere Prophezeiung. Ein Mittelchen gegen Pech, eins für Glück. Dort wohnt auch der plappernde Vogel Koko (Guido Gallmann), ein sehr unterhaltsames Tier mit viel Empathie. Dem Dorfreichen Karaman (Helge Tramsen) ist Branko ein Dorn im Auge. Jeder Vorwand ist ihm recht, um Branko hinter Gitter zu bringen. Als er es schließlich schafft, wird der Junge von der Roten Zora gerettet. Da sind wir schon bei der namensgebenden Person des Stückes. Eine freche, rothaarige Bandenführerin, die gewitzt bei den Leuten im Dorf Beute macht. Einmal verkleidet sie sich als Brankos Oma Kata und luchst dem schnöseligen Karaman einiges an Geld für die Wahrsagereien ab.
Zora ist wirklich cool. Eine Bandenchefin. Lässt sich nie unterkriegen. Nimmt sich, was sie braucht. Auch wenn die anderen dagegen sind: Branko wird in die Bande aufgenommen. Branko bringt auch ein andere Sichtweise in die Gruppe. Turbulent wird es dann mit einem schönen Ende. Aber es soll nicht zu viel verraten werden.

Schauspieler*innen der Roten Zora auf einer Treppenbühne

Ensemble die Rote Zora (c) Jörg Landsberg/ Theater Bremen

Warum die Kinderstücke in Bremen so toll sind

Keines der Kinderstücke der vergangenen Spielzeiten war im Theater Bremen eine Enttäuschung. Es ist vielmehr so, dass die Stücke immer wieder eine so verzaubernde Welt erschaffen, die für Erwachsene gleichsam wie für Kinder magnetisch und fesselnd sind. Die Rote Zora zeigt ein starkes antikonformistisches Mädchen. Sie gibt den Ton an. Feuerspuckend und absolut listig erobert sie unsere Herzen. Nicht nur sie. Es ist so vieles toll. Das Bühnenbild von Lydia Merkel verändert sich auf den zweiten Blick und im Laufe des Stückes fast tetrisartig. Die Story hat genau die perfekten Aufs und Abs, die Kinder unter den Zuschauer*innen zu Zwischenrufen animieren. Die Erwachsenen spielen nicht nur sich selbst, sondern auch gleichzeitig ihre Kinder. Viele Zuschauer*innen würden sich bestimmt gerne mal persönlich mit dem Vogel Koko unterhalten, denn seine Einwürfe sind einfach köstlich. Zu erwähnen ist auch der maritime Moment, der hier nicht genauer verraten werden soll, dem Publikum aber faszinierte Gänsehaut bereiten wird.

„Es ist wunderbar zu erleben und zu spüren, dass Theater für Kinder ein tolles Erlebnis sein kann, sie aufgeregt sind, sich richtig freuen, mitfiebern und Partei ergreifen, auch lautstark Zustimmung oder Ablehnung äußern.“ – Guido Gallmann

Termine Rote Zora

Dienstag, 17. Dezember 2019, 10:00 – 11:20 Uhr

Mittwoch, 18. Dezember 2019, 10:00 – 11:20 Uhr
Mittwoch, 18. Dezember 2019, 18:00 – 19:20 Uhr
Donnerstag, 19. Dezember 2019, 10:00 – 11:20 Uhr
Freitag, 20. Dezember 2019, 10:00 – 11:20 Uhr
Donnerstag, 26. Dezember 2019, 10:00 – 11:20 Uhr
Sonntag, 05. Januar 2020, 10:00 – 11:20 Uhr
Sonntag, 12. Januar 2020, 10:00 – 11:20 Uhr
Montag, 13. Januar 2020, 10:00 – 11:20 Uhr
Mittwoch, 15. Januar 2020, 10:00 – 11:20 Uhr
Donnerstag, 16. Januar 2020, 10:00 – 11:20 Uhr
Freitag, 17. Januar 2020, 10:00 – 11:20 Uhr
Weitere Termine

Als Vogel verkleideter Schauspieler mit Mann im weißene Anzug und Frau in schwarzem langen Kleid, Nebel im Hintergrund

Guido Gallmann (Koko), Franziska Schubert, Tom Pflückebaum, Emil Borgeest Mirjam Rast (c) Jörg Landsberg

Besetzung

Die Rote Zora Uraufführung
6+ von John von Düffel nach dem Roman von Kurt Held

Zora Mirjam Rast
Branko Emil Borgeest
Duro Jan Grosfeld
Pavle Tom Plückebaum
Der kleine Ivekovic / Koko Guido Gallmann
Begovic / der kleine Begovic Matthieu Svetchine
Karaman / der kleine Karaman Helge Tramsen
Gorian / Curcin Siegfried W. Maschek
Mila / Kata Franziska Schubert
Band Erik Konertz, Jan-Sebastian Weichsel
Regie Selen Kara
Musikalische Leitung Torsten Kindermann
Bühne Lydia Merkel
Kostüme Emir Medic
Licht Joachim Grindel
Dramaturgie Regula Schröter

Renate Strümpel 

  2 comments for “Die Rote Zora: Ein Kinderstück im Theater Bremen

  1. Ulrike Hauffe sagt:

    Ich war mit meiner Tochter und den beiden Enkeln (8 und 12 Jahre alt) am zweiten Weihnachtstag in der roten Zora. Und es war genauso wie Renate Strümpel es berichtet: nicht nur die Kinder in unterschiedlichem Alter, sondern auch wir Erwachsenen waren gefesselt und begeistert. Ja, und das Bühnenbild ist echt genial. Also, wer noch Zeit hat: schnell hin zu den letzten Vorstellungen!

    • renate sagt:

      Oh das freut mich sehr! Ich habe sogar schon Erwachsene angesteckt, dort allein hinzugehen. Mögen es noch viele Menschen in eine Vorstellung schaffen.
      Herzlichst, Renate

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.