Digitalprogramm für Frauen gefordert

Aus dem Bremen-Fonds soll ein Digitalisierungsprogramm für Frauen finanziert werden. Das fordern die Arbeitskreise Berufliche Perspektiven für Frauen und Mädchen in Bremen und Bremerhaven in einem Positionspapier. Damit sollen sowohl Frauen unterstützt werden, Zugang zu und Kenntnisse im Umgang mit digitalen Medien zu bekommen, als auch Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen darin gefördert werden, ihre Angebote professionell zu digitalisieren. „Die Corona-Krise hat Frauen vielfach abgehängt, das hat sich nach dem ersten Lockdown im Frühjahr deutlich gezeigt“, so Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm, in deren Haus die Geschäftsführung beider Arbeitskreise liegt. „Studien zeigen in Deutschland einen deutlichen ‚digital gender gap‘ auf. Aber auch die Rückmeldungen aus den Bremer Fraueneinrichtungen bestätigen, dass Frauen häufig weniger Zugänge zu digitalen Endgeräten haben als Männer, wobei auch noch andere Faktoren wie Alter, Bildungsgrad und Migrationshintergrund eine Rolle spielen.“

Bild von einer Laptoptastatur

(c) Renate Strümpel

Expertinnengremium sieht Gefahr gesellschaftlicher Spaltung

Die Institutionen und Projekte beider Arbeitskreise berichten, dass im ersten Lockdown für viele Frauen, die zu den Zielgruppen gehören, große Hürden entstanden seien. Ämter und Beratungsleistungen waren oft nur telefonisch oder online erreichbar. Teilweise stehen Frauen digitale Endgeräte nicht ausreichend zur Verfügung, teilweise fehlt das Know-how im Umgang damit. Weiter heißt es im Positionspapier: „Es wurde berichtet, dass digitale Lern- und Beratungsangebote nur zurückhaltend angenommen werden, vielen fehlt die Erfahrung damit.“ Die Arbeitskreise sehen die große Gefahr, dass insbesondere erwerbslose Frauen, Empfängerinnen von SGBII-Leistungen, Geflüchtete und Migrantinnen digital abgehängt und damit aus gesellschaftlichen Prozessen ausgeschlossen werden. Ihre digitale Teilhabe müsse dringend gefördert werden.

Portraitfotografie der Bremer Landesfrauenbeauftragten Bettina Wilhelm.

Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm (c) ZGF

Auch für Beratungseinrichtungen und Anlaufstellen gilt: sie müssen online erreichbar sein und ihre Zielgruppe erreichen können. „Online präsent zu sein und agieren zu können, ist spätestens seit dem ersten Lockdown ein Muss für jede Einrichtung“, so die Landesfrauenbeauftragte. „Beratungs- und Anlaufstellen für Frauen arbeiten aber ohnehin schon deutlich am Limit und hatten sich deshalb bereits vor Corona zu einem Bündnis zusammengeschlossen, um auf ihre hohe Belastung aufmerksam zu machen. Dies ist durchaus gehört worden, die neue Regierung hat die finanzielle Situation vieler Einrichtungen verbessert. Dies hat aber allenfalls die Rückstände der Vorjahre ausgeglichen – die Corona-Einschränkungen haben für die Einrichtungen neue Problemlagen und Belastungen gebracht. Ein Programm im Rahmen des Bremen-Fonds, das sowohl Frauen wie Fraueneinrichtungen dabei unterstützt, sich digital zukunftsfähig aufzustellen, ist daher mehr als angezeigt.“

Das Positionspapier „Für Geschlechtergerechtigkeit im digitalen Kontext sorgen“ finden Sie in der Gemeinsamen Stellungnahme AKs Digitalisierung.

Pressemeldung Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF)

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