Frauenarzt – Mann oder Frau?

zeichnung einer Ärztin

(c) toonstyle.com

„Ist euer Frauenarzt männlich oder weiblich?“ – Diese Frage sorgte schon bei so manchem Treffen mit meinen Freundinnen für hitzige Diskussionen. Jede Frau hat da nämlich offenbar ihre ganz eigene Meinung zu diesem heiklen Thema.

Seit meinem ersten Besuch beim Gynäkologen gehe ich zu einer Frau und kann mir auch nicht vorstellen, zum anderen Geschlecht zu wechseln. Die medizinische Fachkompetenz spielt sicherlich keine Rolle bei meiner Entscheidung, da vertraue ich sowohl Arzt als auch Ärztin gleichermaßen. Bei Augenarzt, Zahnarzt und Orthopäde ist mir das Geschlecht des Arztes auch ziemlich gleich. Nicht aber beim Frauenarzt.

Irgendwie fühlt es sich einfach „natürlicher“ an, bei dieser ja doch ziemlich intimen Angelegenheit in den Händen einer Ärztin zu sein, die sich in mich als Frau, meine Beschwerden, Ängste und Sorgen hineinversetzen kann. Sicherlich spielt dabei auch das Schamgefühl eine entscheidende Rolle. Es fällt mir einfach leichter, mich bei Fragen rund um den weiblichen Körper einer Frau anzuvertrauen.Einige meiner Freundinnen hingegen sagen, für sie sei es einfacher, über diverse Frauenangelegenheiten mit jemandem zu sprechen, der ein wenig Abstand zum weiblichen Körper hat und objektiver an die Sache herangehen kann.

Zeichnung eines Arztes

(c) toonstyle.com

Vor Kurzem bin ich dann auf eine Umfrage des Gesundheitsportals Netdoktor zu eben diesem Thema gestoßen. Dort wurden mehr als 600 Frauen dazu befragt, ob ihr Frauenarzt männlich oder weiblich ist und aus welchen Gründen sie ihre Wahl getroffen haben. Einige Ergebnisse finde ich ziemlich überraschend, zum Beispiel dass Frauen unter 18 lieber zu einem Gynäkologen als zu einer Gynäkologin gehen. Das hätte ich irgendwie nicht erwartet (und bietet neuen Diskussionsstoff im Freundeskreis ;-). Hier könnt ihr euch den ganzen Artikel dazu ansehen.

 

Wie ist eure Meinung zum Thema „Frauenarzt – Mann oder Frau“? Habt ihr eine klare Präferenz oder ist euch egal, ob ihr von einer Frau oder einem Mann behandelt werdet?

Eva

(Visited 1.536 times, 4 visits today)

  8 comments for “Frauenarzt – Mann oder Frau?

  1. Emily
    15. Juli 2015 at 9:22

    Ich kenne noch die Zeiten, in denen es keine Frauenärztin gab. Ausschließlich Männer wählten diese fachärztliche Richtung. Es kursierte damals ein Spruch: „Die Entscheidung für die Facharztrichtung Frauenheilkunde entscheidet sich vor dem Spiegel.“ Und für mich, aber auch für meine Freundinnen war es ganz toll, als endlich mehr Ärztinnen sich zur Frauenärztin ausbilden liessen. Ich konnte beobachten, dass dadurch und seitdem deutlich mehr „sprechende Medizin“, also nicht die nahezu ausschließlich technische Herangehensweise sich ausbreitete. Aus meiner Sicht ein deutlicher Gewinn. Heute kann ich mir garnicht mehr vorstellen, zu einem männlichen Frauenarzt zu gehen, auch wenn ich den Männern nicht ihre Kompetenz absprechen möchte.

  2. Sofia
    15. Juli 2015 at 14:00

    Ich sehe, dass auch so. Als ich das erste mal zum Frauenarzt musste, hätte ich mich nie getraut zu einem Mann zu gehen. Ich habe mich sehr geschämt, sowohl mich untersuchen zu lassen, als auch mich über sexuelle Themen zu unterhalten. Ich gib zu einer Frau, die aber sehr streng und kühl auftritt. Ich habe mich auch vor ihr sehr geschämt. Sie hat es einmal gemerkt und hat mich auch sehr komisch angeschaut. Naja dann haben mich meine Cousine und Schwägerin überzeugt mal ihren Frauenarzt zu besuchen. Es war ein Mann und tatsächlich, obwohl er ein Mann war ist er so natürlich gewesen, dass ich mich keinen Moment lang unwohl gefühlt habe. Nun ist er in Rente gegangen und eine junge Frauenärztin hat seine Praxis übernommen. Ich hatte großes Glück, weil sie wirklich wirklich nette und empathisch ist. Bei ihr fühle ich mich sehr wohl. Sie nimmt sich immer Zeit und unterhält sich am Anfang erst ein wenig. Ich muss ehrlich gestehen, dass es mir leichter fällt sexuelle und gynäkologische Themen mit einer Frau zu besprechen, auch wenn man einziger männlicher Frauenarzt wirklich gut war 🙂

  3. Karo
    15. Juli 2015 at 15:08

    Ich habe im Alter von 48 Jahren vom Frauenarzt zur Frauenärztin gewechselt. Als ich dieser dann von meinen Beschwerden berichtete, sagte sie: „Ach, das kenne ich auch!“…und ich wusste, meine Entscheidung war goldrichtig.

  4. Lori
    15. Juli 2015 at 17:17

    Ich finde, jede*r muss das so regeln, wie er_sie sich wohlfühlt. Und manchmal hat mensch ja leider auch gar nicht die Wahl sich zu entscheiden (wenn mensch z.B. auf dem Land lebt).
    Was mich dabei immer stört, ist das häufig große Unverständnis, auf das ich treffen, wenn ich sage, dass ich einen Frauenarzt habe. Ausschlaggebend für meine Entscheidung war nicht sein Geschlecht, sondern die Nähe zu meinen Wohnort. Das Argument was dann häufig kommt „Aber der weiß doch gar nicht, wie du dich fühlst“, finde ich grundsätzlich falsch, weil das konstruiert, dass alle Frauen* gleiche medizinische Beschwerden und Erfahrungen hätten. Natürlich weiß mein Frauenarzt nicht, wie sich Regelschmerzen anfühlen – ich aber auch nicht, ich hatte nie welche. Er weiß auch nicht, wie es ist schwanger zu sein – ich aber ja auch nicht. Grundsätzlich setze ich bei jedem*r Arzt*Ärztin voraus, dass er*sie in der Lage ist, sich in meine körperliche Lage zu versetzen, auch wenn er*sie diese selbst nicht hat. Von einem*r Onkologen*in will mensch sich ja auch nicht erst behandeln, wenn diese*r bereits selbst schon Krebs hatte.
    Das Gerede davon, dass eine Frau* besser die Bedürfnisse einer anderen Frau* erraten und behandeln kann, schreibt meiner Meinung nach eine Biologisierung von Geschlecht weiter und das ist eigentlich eine Art von „Feminismus“, den wir überwinden sollten. Frau* ist eben nicht gleich Frau* – oder weiß eine Cis-Frau, wie es sich anfühlt eine transidente Frau zu sein?

    Mensch sollte dazu übergehen, den_die Arzt*Ärztin individuell zu prüfen: ist die Person symphatisch, einfühlsam etc.,

  5. Jenni
    16. Juli 2015 at 8:26

    Ich habe im Verlauf von drei Jahren vier Ärzte_innen aufgesucht und mich am Ende für einen Frauenarzt entschieden.

    Warum? Er nahm sich Zeit, um meine Fragen geduldig zu beantworten. Die Untersuchung wurde zügig, aber einfühlsam vorgenommen. Für mich ist auch das begleitende Praxisteam wichtig: Mein Arzt hat mit Sorgfalt ausgewählt. Im Allgemeinen ist in der Praxis/ im Empfangsraum eine heitere freundliche Atmosphäre.

    Jenni

  6. Angelika
    16. Juli 2015 at 10:25

    Frauen sind nicht automatisch die besseren oder empathischeren ÄrztInnen, aber die Studien, die es dazu gibt, zeigen: sie sprechen mehr mit PatientInnen als männliche Ärzte, sie hören besser zu, sie entfernen seltener die Gebärmutter (bis zu 70 % der Gebärmutterentfernungen in Deutschland sind unnötig!), sie nehmen häufiger an Fortbildungen zu Naturheilkunde und Psychosomatik teil….das ist doch schon was!

  7. Ronja
    16. Juli 2015 at 12:02

    Hallo Angelika,
    kannst Du mal die Studien nennen? Das ist ja spannend. Wahrscheinlich wurden noch andere Parameter untersucht.
    Und zu Lori:
    Das sind ja keine Biologismen, sondern sozialisationsbedingte Verhaltensweisen. So zumindest sehe ich das.

  8. maam
    7. März 2018 at 23:22

    Ich habe eine sehr nette Frauenärztin, sie ist etwa in meinem Alter. Es wäre für mich undenkbar einen fremden Mann so nahe an mich ran zu lassen. Ich finde Männer in der Gynäkologie sehr suspekt, würde keinem trauen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.