Unsere Frau der Woche: Elizabeth Jane Cochran

Schwarz-Weiss Foto von einer jungen Frau

(c) By H. J. Myers, photographer [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

Elizabeth Jane Cochran, ist eine oft unterschätzte, dennoch die bekannteste Journalistin der Girl Stunt Reporters. Einer Gruppe von Frauen, die sich undercover in verschiedene Institutionen einschlich, um dann über die schlechten Bedingungen in Armenhäusern, Gefängnissen, Fabriken und anderen Institutionen zu berichten.

Elizabeth Cochran ist am fünften Mai 1864 in Cochran’s Mills, Pennsylvania geboren. Der Wohnort ist nach dem Namen ihres Vaters benannt, der ein wichtiger Unternehmer und beisitzender Richter des County ist. Als sie nur sechs Jahre alt ist verstirbt ihr Vater, woraufhin die Familie verarmt. Ihre Lebensverhältnisse verändern sich hiermit drastisch. Sie gilt in der Schule als unerzogen und recht unwillig, an Selbstbewusstsein fehlt es ihr nicht. Eine Ausbildung zur Lehrerin muss sie nach einem Semester abbrechen, weil ihr die finanziellen Mittel ausgehen. Daraufhin zieht sie nach Pittsburgh und beginnt ihre journalistische Karriere.

Ihr Durchbruch

Als sie einen konservativen und sexistischen Artikel in der Kolumne „Pittsburg Dispatch” ließt, worin sich ein Reporter negativ über Frauen äußert, welche ihr Leben außerhalb des Hauses und der Familie aufbauen möchten, kritisiert sie die Aussage in einem Leserinnen-Brief. Dieser Brief begeistert den Chefredakteur und durch ihren direkten Schreibstil bekommt sie bald ihre ersten Aufträge. Schnell etabliert sie sich als festes Mitglied der Redaktion. Weil es damals so üblich war, unterschreibt sie all ihre Texte und Bücher mit ihrem neuen Pseudonym Nellie Bly.

Den großen Durchbruch erlebt Elizabeth Cochran 1887, als sie den Auftrag bekommt in einer nahegelegenen Psychiatrie verdeckt zu recherchieren. Dort sollen Patient*innen brutal behandelt werden und sich in unwürdigen Verhältnissen befinden. Sie schafft es, die Ärzt*innen davon zu überzeugen, dass sie selbst eine nervenkranke Frau ist, woraufhin sie in die Psychiatrie eingeliefert wird.
Zu dieser Zeit ist es sehr schwer wieder aus einer Psychiatrie herauszukommen. Einer psychisch kranken Frau, die behauptet, dass es ihr wieder besser gehe, wurde in den seltensten Fällen geglaubt. Trotzdem wagt sie den Schritt und vertraut auf ihren Chefredakteur, der ihr verspricht sie wieder rauszuholen.
Die Gerüchte über das Krankenhaus stellen sich als Wahrheit heraus. Es gibt fast nur verdorbenes Essen, nur Zugang zu dreckigem und verschmutztem Wasser. Manchmal müssen Patient*innen stundenlang im eiskalten, dreckigen Wasser baden, bekommen Schläge und werden schikaniert. Weniger als zehn Prozent der Ärzt*innen haben einen medizinischen Abschluss und das Personal besteht teilweise aus Strafgefangenen. Nach zehn Tagen gelingt es ihr, wie geplant, rauszukommen und die Reportage wird in zwei Folgen der Sonntagsausgabe von The World veröffentlicht. Dank der positiven Rückmeldungen bekommt sie eine Festanstellung.

Bedeutsamer Fortschritt für Journalistinnen

Nach dieser erfolgreichen Reportage fängt sie andere verdeckte Recherchen an. Dabei ist sie aber nicht mehr alleine. Die Girl Stunt Reporter werden gegründet, eine Gruppe von Frauen, die verdeckte Reportagen schreibt. Dabei geht es hauptsächlich um die schlechte Behandlung von Frauen sowie die Situationen in Fabriken, anderen Arbeitsgesellschaften und Korruption.

altes Cover für das Buch und Spiel "Round the World", Frau mit langem Kleid und Reisetasche in der Hand

(c) See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Berühmtheit erlangt Elizabeth Jane Cochran, als sie beschließt eine Reise um die Welt zu machen. Das ganze Land ist gespannt auf das Ergebnis. Zum ersten Mal begibt sich eine Frau alleine, ohne Begleitung eines Mannes, auf Weltreise und schafft es die Welt in der Rekordzeit von 72 Tagen zu überqueren. Die Reportage wird 1890 als Buch abgedruckt und ist so beliebt, dass Nellie Bly -Brettspiele, -Gewinnspiele, -Globen und -Kleider produziert werden.

Fünf Jahre später heiratet sie mit 31 Jahren den 70 jährigen Millionär Robert Seaman. Es wird ihr vorgeworfen, sie habe ihn nur wegen des Erbes geheiratet. Als er stirbt übernimmt sie aber das Unternehmen und kümmert sich um das Geschäft. Keineswegs genießt sie das Leben durch das Erbe. Elizabeth Jane Cochran lässt eine Turnhalle, Leihbibliothek und Bowlingbahn einrichten. Darüber hinaus schafft sie ein soziales Führsorgesystem für ihre Angestellten. Ab 1912 zieht sie für fünf Jahre nach Europa und arbeitet weiter als Journalistin bei dem New York Evening Journal, wo sie über das Kriegsgeschehen vor Ort berichtet. 1919 zieht sie zurück in die USA wo sie drei Jahre lang, bis zu Ihrem Tod, ein Zimmer in New York bewohnt und regelmäßig Kolumnen schreibt.

Durch ihre furchtlose Art erreicht Elizabeth Jane Cochran viele Frauen ihrer Zeit und wird zu ihrem Vorbild. Unsere Frau der Woche schafft es nicht nur zu einem bedeutsamen Fortschritt im investigativen Journalismus beizutragen, sondern auch zur Möglichkeit einer freien Berichterstattung für Journalistinnen.

Dalia

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