Seit kurzem gibt es in Bremerhaven eine Gewaltschutzambulanz. Sie ist eine Anlaufstelle für Betroffenen von häuslicher, sexualisierter oder geschlechtsspezifischer Gewalt.

Was ist eine Gewaltschutzambulanz und wie funktioniert sie?
Eine Gewaltschutzambulanz ist eine spezialisierte Anlaufstelle für Menschen, die häusliche, sexualisierte oder geschlechtsspezifische Gewalt erfahren haben. In der Ambulanz geht es vor allem darum, erlebte Gewalt fachlich zu dokumentieren und Beweise zu sichern. Sie erhalten hier professionelle Unterstützung und Informationen über rechtliche Möglichkeiten, unabhängig davon, ob sie sofort eine Anzeige erstatten möchten. Akute Verletzungen werden weiterhin in der Notaufnahme behandelt.
Die Gewaltschutzambulanz kann anonym aufgesucht werden. Die Räumlichkeiten liegen bewusst an einem eher zurückhaltenden und unauffälligen Ort, um den Betroffenen Privatsphäre zu bieten. In der Ambulanz können erlebte Gewalt und die entstandenen Verletzungen dokumentiert werden – sowohl schriftlich als auch fotografisch. Dafür steht unter anderem eine Fotowand bereit, vor der sich die Betroffenen positionieren, während spezielles Licht die Verletzungen für die Fotos deutlich sichtbarer macht. Die Dokumentationen werden zehn Jahre lang aufbewahrt, sodass Betroffene auch zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Anzeige erstatten können. Wichtig ist, dass die Krankenkassenkarte und der Personalausweis mitgenommen werden. Seit letztem Jahr gibt es die Gewaltschutzambulanz am Klinikum Bremen-Mitte, nun können auch Menschen in Bremerhaven direkt vor Ort Hilfe erhalten. Damit wird eine wichtige Versorgungslücke in der Stadt geschlossen und Betroffenen ein Zugang zur Unterstützung ermöglicht. Die Gewaltschutzambulanz in Bremerhaven ermöglicht schnelle Hilfe und professionelle Begleitung.
„Ich bin froh, dass wir das nun auch für Bremerhaven geschafft haben“
(Claudia Bernhard, Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz)

Warum brauche ich meinen Ausweis und Krankenkassenkarte, obwohl es anonym ist?
Die Gewaltschutzambulanz erstellt kostenlos und vertraulich Dokumentationen der Verletzungen – stets nur mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Betroffenen. Für die Dokumentation wird ein Personalausweis oder ein anderes Ausweisdokument mit Foto benötigt, um eine sichere Zuordnung zu gewährleisten. Die Versorgung in der Ambulanz ist vertraulich, vollständig anonym bleiben kann sie jedoch nicht: Für die Dokumentation der Verletzungen wird der Name der Betroffenen erfasst. Auch die Krankenkassenkarte wird benötigt, allerdings nur für die Abrechnung. Die Krankenkassen erhalten keine Informationen über die Ereignisse selbst, sondern nur darüber, dass eine Behandlung stattgefunden hat. Menschen ohne Krankenversicherung werden jedoch selbstverständlich ebenfalls behandelt – niemand wird abgewiesen! Auch wichtig zu wissen: Die Daten werden nicht in der internen Krankenhaus-Datenbank gespeichert.
Was war der Grund für die Gründung der Gewaltschutzambulanz?
Die Ambulanz wurde im Zuge der Umsetzung der Istanbul-Konvention eingerichtet, eines internationalen Abkommens des Europarats von 2011. Ziel der Konvention ist es, Frauen und Mädchen vor Gewalt zu schützen und sicherzustellen, dass die Gewaltverursachenden strafrechtlich verfolgt werden.
Was ist der Unterschied zur Gewaltschutzambulanz in Bremen?
Die Gewaltschutzambulanz am Klinikum Bremen-Mitte hat von Montag bis Freitag ihre Untersuchungszeiten. In Bremerhaven sind die Untersuchungszeiten zunächst auf zwei Tage in der Woche beschränkt. Außerdem gibt es noch kein zusätzliches Personal. Aktuell sind Kolleg*innen aus der Notfallambulanz dafür geschult worden. Es hieß aber, dass bei steigendem Bedarf, feste Stellen für die Gewaltschutzambulanz in Bremerhaven eingerichtet werden.
Warum ist eine Gewaltschutzambulanz so wichtig?
Jeden Tag erfahren Menschen Gewalt – sei es häusliche, sexualisierte oder geschlechtsspezifische. Umso wichtiger sind Orte, an die sich Betroffene wenden können und dass diese Angebote stetig ausgebaut werden. Traurig bleibt dennoch, dass es solche Hilfe überhaupt braucht. Die Dunkelziffer ist hoch: Viele Opfer möchten anonym bleiben, trauen sich nicht zur Polizei oder wollen zunächst keine Anzeige erstatten. Es ist ohnehin nicht leicht, sich mit dem zu beschäftigen, was einem widerfahren ist. Zusätzlich den Schritt zu gehen, die verantwortliche Person zur Rechenschaft zu ziehen, fällt vielen besonders schwer, gerade wenn Gewalt innerhalb der Familie passiert.
Terminvergabe:
- (0471) 299-3309
- gewaltschutzambulanz@klinikum-bremerhaven.de
- www.klinikum-bremerhaven.de/gewaltschutzambulanz
Telefonische Sprechzeiten
- Montag – Freitag: 09:00 – 14:00 Uhr
Untersuchungszeiten
- Mittwoch: 09:00 – 11:00 Uhr
- Freitag: 14:00 – 16:00 Uhr
Zugang zur Gewaltschutzambulanz in Bremerhaven
Melden Sie sich am Infoschalter des Haupthauses (Postbrookstraße 103, 27574 Bremerhaven) und fragen Sie dort nach der Gewaltschutzambulanz. Sie werden anschließend abgeholt.

Kathrin M.



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