Pink Buses in Malatya – Türkei

Die östliche Stadt Malatya hat sich seit neustem dafür entschieden, aufgrund bisheriger Übergriffe und sexueller Belästigungen gegenüber Frauen im öffentlichen Nahverkehr zukünftig sogenannte „pink buses“ – also pinke Busse – einzusetzen. Diese sind ausschließlich für Frauen zugänglich und sollen zusätzlich zu den planmäßigen Bussen und Straßenbahnen durch die Stadt fahren.

Damit soll gewährleistet werden, dass Frauen sich im öffentlichen Nahverkehr nicht mehr unsicher fühlen müssen und auch zu jeder Tages- und Nachtzeit ungestört durch die Stadt fahren können. Für viele gilt die neuste Maßnahme allerdings lediglich als „Pseudolösung“ der AKP Partei. An der eigentlichen Ursache von sexuellen Übergriffen und Gewalt an Frauen jedoch änderten auch die pinken Busse und Bahnen reichlich wenig.

Scharfe Kritik von Seiten der Opposition

In Malatya sollen vorerst zwei solcher pinken Busse eingesetzt werden. Diese seien von Studentinnen der örtlichen Universität zuvor angefordert worden. Auch in anderen türkischen Städten sollen bald die knallpinken Busse unterwegs sein. Doch Kritik bleibt auch in den Städten nicht aus.

Viele haben Angst davor, dass die neue Regelung die öffentliche Trennung zwischen Frauen und Männern weiter vorantreiben wird. Einige Frauen und Oppositionsgruppen haben sich daraufhin zusammengeschlossen und demonstrieren seither unter dem Slogan „Aggressive men must learn to be human“ („Aggressive Männer müssen lernen, menschlich zu sein“).

Schutz der Frauen oder strategische Ausgrenzung?

Auch in den sozialen Medien drücken Frauen ihren Unmut aus. Männer sollten vielmehr dazu angehalten werden, ihre sexuellen Triebe zu kontrollieren und Frauen und Mädchen Respekt entgegenzubringen. Anstatt Frauen und Männer weiter zu trennen sollten Vergewaltiger und Belästiger eingesperrt werden – und nicht die Frauen in pinken Bussen oder Taxis.

Candan Yuceer, Abgeordneter der größten Oppositionspartei Republican People’s Party (CHP), stellt die neue Maßnahme in klaren Zusammenhang mit den politischen Praktiken der AKP der letzten 15 Jahre. Diese zielten alle darauf ab, Frauen mehr und mehr aus öffentlichen Räumen zu drängen. Dabei gehe es in keinster Weise darum, Frauen zu beschützen. Fraglich ist, ob es Frauen im nächsten Schritt gänzlich verboten werden könnte, alleine das Haus zu verlassen.

Falscher Lösungsansatz

Besonders deutlich wird die eigentliche Ursache des Problems in einem Foto-Beitrag auf Twitter. Schaut man sich die beiden Bilder im Vergleich an, wird sichtbar, dass nicht das Verhalten und der Kleidungsstil von Frauen verändert werden muss. Viel wichtiger ist es, dass sich das Auftreten der Männer ändert. Obwohl im oberen Bild die jungen Frauen alle kurze Hosen tragen, müssen sie sich von dem jungen Mann neben ihnen keineswegs belästigt fühlen. Dagegen starren die vier Männer im unteren Bild alle der verhüllten Frau hinterher, die sich keineswegs aufreizend zeigt.

Sicherlich werden sich einige Frauen und Mädchen zukünftig besser fühlen, wenn sie in Bussen unter sich bleiben können. Das Traurige ist jedoch, dass in den Köpfen der Menschen weiterhin ein falsches Bild erzeugt wird: Dass sich die Frauen ändern oder gar gänzlich abschottet werden müssen. Dabei sollte es in einer offiziell demokratischen Gesellschaft erst gar nicht so weit kommen, dass Extra-Busse für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe nötig werden. Stattdessen muss der Staat klar an der eigentlichen Ursache des Problems ansetzen. Und das ist und bleibt das unentschuldbare und inakzeptable Verhalten einiger Männer.

Maren Göttke

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