Rettet die Kunst im Schnoor – Rettet das AUSSPANN

Das Ausspann von schräg rechts

Das Künstlerhaus AUSSPANN (c) Pia Reiter

Das Künstlerhaus AUSSPANN ist ein einmaliges Projekt im Schnoor, das Kunst und soziales Engagement verbindet. Nun droht dem Projekt das Aus. Eine Stiftung muss her, die die Miete finanziert. Und die Zeit drängt.

Das AUSSPANN – Kunst, die gelebt wird

Das AUSSPANN ist eine soziale Plastik nach dem Konzept von Joseph Beuys. Zentral hierfür ist ein integratives Verständnis von Kunst und Gesellschaft, wodurch die gesellschaftliche und politische Verantwortung von Kunst und Kultur verwirklicht wird. Das Künstlerhaus ist Ort für verschiedenste Veranstaltungen und ein Treffpunkt für Künstler*innen, Sammler*innen und Interessierte.

Der soziale Aspekt von Kunst wird durch verschiedene Integrationsprojekte und die Zusammenarbeit mit Geflüchteten sowie Menschen aus aller Welt realisiert. So entsteht ein kommunikativer Raum indem Kunst nicht nur gezeigt, sondern gelebt wird.

Und das Konzept wurde überschwänglich angenommen. Seit 2016 war das Ausspann der Ort für mehr als 25 Künstler*innen und Gruppen mit zahlreichen Veranstaltungen. Darunter übrigens auch die frauenseiten, wir haben dort unser regelmäßiges offenes Redaktionstreffen abgehalten. Getragen wird das Ausspann von über hundert Ehrenamtlichen. Dafür wurde das Projekt 2018 mit dem Bremer Bürgerpreis ausgezeichnet.

Unglück im Unglück

Sicherlich trifft die Pandemie viele soziale Projekte hart. Das AUSSPANN hatte jedoch besonders viel Pech. Schon vor der Corona-Pandemie war das Projekt finanziell alles andere als gut gestellt. Zwar bekam das Künstlerhaus Zuschüsse seitens der Stadt Bremen, um die Kosten auszugleichen, das reichte jedoch nicht. Laut dem Vereinsvorsitzenden Jörg Thomsen ist das nicht einem fehlenden Willen der Politik, sondern der finanziellen Situation Bremens geschuldet. „Uns fehlt eine starke Lobby“, fügt Thomsen hinzu.

Außerdem wurde dem Verein erst im Herbst 2019 die Gemeinnützigkeit anerkannt, weswegen das AUSSPANN erst knapp ein halbes Jahr Spenden sammeln konnte, bevor es schließen musste. Um die finanzielle Situation zu überdenken, hatte das Projekt im Dezember 2019 die Türen geschlossen und wollte die Wiedereröffnung mit der Nacht der schönen Künste am 20.-22. März feiern. Und dann kam Covid 19.

Man sieht den Nebeneingang vom Ausspann

(c) Pia Reiter

Der letzte Strohhalm

Nun droht dem AUSSPANN der Rauswurf aus dem Haus und damit aus dem Schnoor. Da die Miete nicht gezahlt werden konnte, hat der Vermieter dem Verein gekündigt. Seit Ende Mai steht das Haus nun zum Verkauf. „Der letzte Strohhalm“, laut Thomsen, ist nun die Hoffnung eine Organisation zu finden, die das Projekt unterstützt.

Deswegen sucht das AUSSPANN nun eine Stiftung, die die Miete im Schnoor finanziert. Außerdem besteht die Möglichkeit, eine kommerzielle Gastronomie zu betreiben. Wichtig wäre es jedoch, dass das Projekt weiterhin im Schnoor bleiben kann.

Denn zum einen lebt das AUSSPANN von der zentralen Lage und Geschichte des Viertels. Vor allem aber lebt das Schnoor vom Künstlerhaus. Denn das AUSSPANN hat dem Schnoor erst wieder etwas gelebte Kunst eingehaucht und das Viertel zu dem gemacht was es heute ist.

Nun ist es an uns

„Sagt es weiter! – Kommt vorbei! – Spendet!“ Dazu ruft das AUSSPANN auf seiner Website auf. Denn nachdem das AUSSPANN alles für Bremen gegeben hat, ist es jetzt an uns das einmalige Projekt zu retten. Was sonst passiert, hat eine Künstlerin der Galerie ART15 treffend zusammengefasst:

„Ohne das Ausspann beraubt man faktisch nicht nur diese mittlerweile von der Presse als „Traditionsveranstaltung“ bezeichneter „Nacht der schönen Künste“ einen Knotenpunkt, sondern lässt eine Kulturkonstante und ein Herzstück des Schnoor schlicht von der Kunstlandkarte Bremens verschwinden. Das AUSSPANN muss bleiben – in jeder Hinsicht. Als Gebäude, als Institution, als menschliches Gut, als herzliche Begegnungsstätte von Künstlern & Kunstfreunden.“

Dem schließen wir uns an!

 

Pia Reiter

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