Tatort: Kneipe

alter, roter fernseher

© privat, Bartmann

Bremen, Sonntag 20:15 Uhr. Ein streng dreinblickendes blaues Augenpaar erscheint auf dem Bildschirm, ein Fadenkreuz zeichnet sich ab und eine Person rennt über den regennassen Asphalt. In blau-weißer Schrift erscheint dann endlich, worauf fast 20 Prozent der deutschen Fernsehzuschauer*Innen wöchentlich  warten: Der Tatort.

Seit 1970 flimmert die Kult-Krimiserie nun schon über die deutschen Bildschirme. Seit mehreren Jahren ist sie zudem im Österreichischen und Schweizer Fernsehprogramm zu finden. Aber nicht nur zuhause folgen Fans den 90-minütigen Kriminalfilmen gebannt – die Mordfälle werden zunehmend in Kneipen gezeigt. Längst ist klar: die erfolgreichste Krimiserie des Landes hat Kultstatus erreicht.

Doch wo genau liegt die Faszination des  gemeinsamen Fernsehens des Tatorts in einer Gruppe?

„Fachsimpeln und Rätseln über den Täter oder die Täterin kann man nun mal nicht alleine und in einer Gruppe macht dies am meisten Spaß. Allgemein schaue ich gerne Filme mit anderen Leuten zusammen. Das liegt vielleicht nicht direkt am Tatort selbst, eher daran, dass man sich so gut auf den Tatort einigen kann. Dieser sagt den meisten Menschen zu.“, so die 23-jährige Bremer Studentin Melina.

Viele sehen den Tatort als gemütlichen Ausklang des Wochenendes. Neben der netten gemeinsamen Atmosphäre in der Kneipe kann der Krimi mit einer Flasche Bier genossen werden. So verfolgen beispielsweise in der Bremer Bar Lemans (Keplerstraße 36) in Wohnzimmeratmosphäre ungefähr 20 Fans den Tatort. Tatort in Kneipen zu gucken ist demnach nicht nur Kult, sondern auch ein inzwischen weit verbreitetes Phänomen.

Pistole auf Asphalt

© frauenseiten ; Robers

Da der Tatort kulturell, sozial und regional brisante gesellschaftliche Themen aufgreift, wird viel unter Gleichgesinnten im „vertrauten Umfeld“  debattiert. Folge: wer am Sonntag den Tatort verpasst hat, kann am Montag nicht mitdiskutieren. Der Tatort verfolgt meiner Meinung nach das Ziel die soziale Realität Deutschlands darzustellen und der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten. So zeigte der letzte Bremer Tatort beispielsweise die Schattenseite der vermeintlich umweltbewussten Nutzung von Offshore Windparks.

Doch auch in den sozialen Medien wie Twitter wird der Tatort umfassend kommentiert. Tausende greifen wöchentlich zu ihren Smartphones und durchbrechen die sonst sonntags herrschende Funkstille des mikroblogging Unternehmens. So wie in der Kneipe ermöglich das „Social TV“ ein gemeinsames Erleben des Tatorts. Sie bietet zudem eine Austauschplattform von und für Fans über Täter, Mordmotiv und Darsteller. Laut der Zeitung Die Welt gebraucht jeder zweite Onliner während des Fernsehens das Internet und das auch bei anderen Serien und Filmen mit Kultstatus.

Alle Lokale, Restaurants und Kneipen, die den Tatort zeigen, können auf das Erste eingesehen werden.

Laura Frey

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