Unsere Frau der Woche: Alexandra Michailowna Kollontai

schwarz-weiß Fotografie von einer ernst schauenden Frau, Alexandra Michailowna Kollontai

By George Grantham Bain Collection (Library of Congress) [Public domain], via Wikimedia Commons

Wer hätte gedacht, dass es Anfang des 20. Jahrhunderts in Russland bereits eine selbstbestimmte, starke Frau gab, die für Gleichstellung der Geschlechter kämpfte? Dass unsere Frau der Woche, Alexandra Michailowna Kollontai, damit auf Widerstand von Seiten der Regierung und der Gesellschaft gestoßen ist, versteht sich wie von selbst. Stand sie doch im starken Kontrast zur damaligen bürgerlichen Moral. Trotzdem – oder vielleicht auch gerade deshalb – war Kollontai zeitlebens überzeugte Feministin. Und selbst heute, in unserer vermeintlich so modernen Welt, machen manche ihrer Ideen einen so fortschrittlichen Eindruck, dass sie noch immer schwer zu realisieren scheinen.

Freiheit für Frauen

Geboren wurde Alexandra Michailowna Kollontai am 19. März 1872 in Sankt Petersburg. Als Tochter eines reichen russischen Generals wuchs sie in behüteten, bürgerlichen Verhältnissen auf und genoss eine umfangreiche Schulbildung. Im Alter von 26 Jahren begann sie ein Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Zürich. Aufgrund ihres Interesses für die Rechte von Arbeiterinnen, schloss sie sich dann der sozialistischen Bewegung an. Im Zuge dessen brachte Kollontai Texte hervor, in denen sie sich überwiegend für die Gleichberechtigung von Mann und Frau aussprach.

Die wirklich befreite Frau müsse materiell vom Mann unabhängig sein, betonte sie beispielsweise. Um Ideale wie diese auch in der sowjetischen Gesellschaft zu etablieren, setzte sie sich 1905 für autonome Frauenabteilungen innerhalb der Kommunistischen Partei ein. Drei Jahre später forderte Kollontai auf dem Ersten Allrussischen Frauenkongress öffentlich die Emanzipation der Frau. „Ich wollte frei sein“, kommentierte sie ihr Wirken: frei von einer prüden Sexualmoral, die Frauen in die Rolle der Hausfrau und Mutter zwingt. Doch „nicht die sexuellen Bestrebungen bestimmen, das Ansehen einer Frau, sondern ihr Wert im Arbeitsleben“, so unsere Frau der Woche, die selbst einiges an wertvoller Arbeit vorweisen konnte.

Viel erreicht, viel gekämpft, viel gearbeitet

schwarz-weiß Fotografie von einer Sitzung vieler Frauen, u.a. Alexandra Michailowna Kollontai

See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Als Anhängerin der Bolschewiki wurde sie im November 1917 von Lenin als Leiterin des Ministeriums für Soziale Fürsorge eingesetzt. Damit war Kollontai nicht nur die erste Frau im revolutionären sowjetischen Kabinett, sondern auch die erste Ministerin weltweit. In diesem Amt kämpfte sie für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch, Scheidung, sowie Volksküchen und kollektive Kindererziehung, um erwerbstätige Frauen in ihrer Rolle als Mutter zu entlasten. Außerdem sollte das flexible Zusammenleben zweier Menschen die monogame Ehe ersetzen. Mit diesen Bestrebungen stieß unsere Frau der Woche schnell auf Ablehnung seitens der sowjetischen Regierung, die die gewohnten Strukturen der patriarchalischen Gesellschaft in Frage gestellt sah.

Ihre beharrliche Entschlossenheit und das daraus resultierende angespannte Verhältnis zur sowjetischen Regierung blieben nicht ohne Folgen. Ab 1921 durfte Alexandra Michailowna Kollontai den russischen Staat nur noch im Ausland vertreten. Als Botschafterin in Norwegen, Mexiko und Schweden war sie weltweit die erste Frau in dieser Rolle. Und tatsächlich erledigte sie auch diese Arbeit mit Leidenschaft. So trug sie unter anderem zu einem bedeutenden Wirtschaftsvertrag mit Norwegen und zum Waffenstillstand mit Finnland im zweiten Weltweltkrieg bei.

Kollontai war ihr Leben lang überzeugte Feministin und Sozialistin, die nicht müde wurde, sich für die Rechte von Frauen zu engagieren. „Die Frauen und ihr Schicksal beschäftigen mich ein Leben lang,“ schrieb sie rückblickende auf ihr Lebens als russische Revolutionärin.

Victoria Kräwinkel

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