Unsere Frau der Woche: Gerda Taro

Portrait der Fotografin Gerda Tarot in Grautönen

(c) Jennifer Höltken

Gerda Taro wurde 1910 als Gerta Pohorylle geboren und wuchs als Tochter einer polnischstämmigen jüdischen Familie in Stuttgart und Leipzig auf. In ihrer Jugend schloss sie sich sozialistischen Gruppierungen an. 1933 geriet sie das erste Mal in Konflikt mit der nationalsozialistischen Regierung, als sie kritische Flugblätter verteilte. Sie wurde für zwei Wochen inhaftiert. Als die Situation in Deutschland für die Familie immer schwieriger wurde, entschloss sie sich im gleichen Jahr zur Emigration.

Fotografin unter neuer Identität

Während Gerta Pohorylles Eltern in Richtung Palästina aufbrachen, reiste sie nach Paris. Dort traf sie den jungen Fotografen Endre Friedmann, der aus Ungarn nach Frankreich gekommen war. Sofort begeisterte sie sich für die Fotografie und wurde Friedmanns Assistentin und Schülerin. Zusammen erfanden sie den US-amerikanischen Fotografen Robert Capa, als dessen Agenten sie auftraten. Unter diesem Namen verkauften sie gemeinsam ihre Fotos zu deutlich höheren Preisen. Als der Schwindel aufflog, tat dies dem Erfolg der beiden keinen Abbruch. Dennoch entschied Gerta Pohorylle sich, fortan unter dem Namen Gerda Taro als eigenständige Fotografin zu arbeiten. Den Nachnamen entlieh sie vom japanischen Künstler Taro Okamoto, dessen Bilder sie sehr bewunderte. Friedmann arbeitete weiter unter dem Namen Robert Capa, unter dem er später Weltruhm erlangte und die Fotoagentur Magnum gründete.

Furchtlose Kriegsreporterin

Taro und Capa arbeiteten weiter eng zusammen und berichteten von den meisten Ereignissen gemeinsam. Zeitweise vermarkteten sie ihre Bilder auch unter dem gemeinsamen Label Capa&Taro. Ihre Perspektiven und ihr Stil ähneln sich teilweise so sehr, dass man einige Bilder nur aufgrund des Aufnahmeformats eindeutig zuordnen kann. Während der frühen 1930er-Jahre berichteten beide über das Erstarken des französischen Front Populaire und die damit einhergehenden Kämpfe. Als 1936 der Spanische Bürgerkrieg ausbrach, reisten Taro und Capa nach Barcelona, um von der Seite der republikanischen Einheiten über das Geschehen zu berichten.

Taro war eine der ersten Fotografinnen, die als Kriegsreporterin arbeitete. Viele ihrer Bilder entstanden unmittelbar an der Front. Ihre Fotografien fanden international breite Anerkennung und wurden in zahlreichen Publikationen abgedruckt. Taro identifizierte sich stark mit den Zielen der Republikaner*innen, sogar zu stark, wie die Autorin Jane Rogoyska gegenüber dem Guardian kritisch anmerkt. Sie wollte immer möglichst nah dabei sein und ging dabei hohe Risiken ein. So war sie die einzige Reporterin, die es wagte, während der Bombardierung Valencias 1937 zu fotografieren. Ihre Bilder von den Opfern der Angriffe gelten bis heute als sehr eindrucksvolle Dokumente der Zeitgeschichte.

Früher Tod

Foto von Gerda Taro, mit der Kamera vor dem Auge, wärend sie eine Aufnahme macht

Von Anonymicp.org, Gemeinfrei, Link

Im Juli 1937 bestand sie darauf, von der Schlacht bei Brunete nahe Madrid zu berichten. Es wurde ihr von allen Seiten abgeraten, da die Front als besonders gefährlich und unübersichtlich galt. Wieder war sie die einzige Fotografin vor Ort. Als ihr das Filmmaterial ausging, versuchte sie mit einem Verwundetentransport aus der Schlacht zu entkommen. Sie stand auf dem Fußbrett des Transporters, als ein außer Kontrolle geratener Panzer mit dem Fahrzeug kollidierte und sie einquetschte. Sie starb einen Tag später, am 26. Juli 1937.

Zu Lebzeiten wurde sie für ihr politisches Engagement und ihren kompromisslosen Einsatz ebenso geschätzt wie für ihr fotografisches Werk. Bei ihrer Beerdigung in Paris im August 1937 waren mehrere zehntausend Menschen anwesend. Heute ist sie weitestgehend unbekannt und wird oft nur als „Capas Frau“ genannt. Tatsächlich waren die beiden ein Paar, geheiratet aber haben sie nie und Taro war weit davon entfernt, nur Capas Assistentin und Begleitung zu sein.

Marion Rave

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