Unsere Frau der Woche – Hudā Schaʿrāwī

Im Jahr 1879 in einem von Eunuchen bewachten Harem in der ägyptischen Stadt Minya geboren, mit dreizehn Jahren an ihren rund 30 Jahre älteren Cousin verheiratet – Hudā Schaʿrāwī weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, als Frau wenig Rechte zu haben. Ihr Leben lang kämpft die Muslima für Frauenrechte und gründet die Ägyptische Feministische Union (EFU).

Hudā Schaʿrāwīs Kindheit im Harem

Trotz Hudā Schaʿrāwīs abgeschotteter Kindheit im Harem, welchen Frauen nur verschleiert verlassen können, ist sie privilegiert. Denn die Harems sind in der damaligen Zeit ein Statussymbol der ägyptischen Oberschicht – sowohl in muslimischen, christlichen, als auch jüdischen Kreisen. Dementsprechend genießt Hudā Schaʿrāwī einen hohen Lebensstandard und eine gute Bildung in vier Sprachen, anders als auf dem Land, wo es kaum Harems oder Vollverschleierung gibt. Schon in jungen Jahren ist Hudā Schaʿrāwī wissbegierig und memoriert bereits als Neunjährige den Koran. Später schreibt sie in ihren Memoiren „Mudhakkirātī“ über ihre Kindheit, die auch unter dem Titel „Harem Years: Die Memoiren einer ägyptischen Feministin (1879–1924 )“ erscheinen.

Ehe und schrittweise Emanzipation

Hudā Schaʿrāwīs Mutter ist die Tochter von Geflüchteten aus dem Kaukasus, ihr Vater ein angesehener Beamter, der früh verstirbt. Danach wird Hudā Schaʿrāwīs Cousin zu ihrem Vormund und späteren Ehemann. Da dieser sich nicht wie versprochen von seiner bisherigen Familie trennt, kann Hudā Schaʿrāwī nach einem Jahr eine Trennung durchsetzen. Sie lebt relativ unabhängig im Familienharem in Kairo und bewegt sich in gehobenen Kreisen. Dort trifft sie auch auf die zum Islam konvertierte Frauenrechtlerin Eugénie Le Brun in deren Frauensalon und diskutiert viel über die gesellschaftliche Position der Frau. Im Jahr 1900 gibt Hudā Schaʿrāwī dem sozialen Druck nach und kehrt zu ihrem Ehemann zurück. Sie verstehen sich besser als zuvor und bekommen zwei Kinder. Bald hält sie an der Universität in Kairo Vorträge für Frauen und tritt einer philanthropischen Gesellschaft bei. Hudā Schaʿrāwīs Ehemann unterstützt sie dabei und so bringt sie sich wie viele wohlhabende Frauen der Zeit in der Öffentlichkeit ein.

Illustration von Huda Shaʿrawi, ägyptische Frauenrechtlerin und Gründerin der Ägyptischen Feministischen Union.

(c) Charlotte Kaemmerer

Revolution in Ägypten

In diesen Jahren ändert sich der Zeitgeist in Ägypten und die britische Kolonialmacht setzt einige Modernisierungen um. Doch Frauen bleiben von den besseren Chancen ausgeschlossen. Intellektuelle fordern Bildung für Mädchen und das Ende von Polygamie, Vollverschleierung und Geschlechtertrennung.

Hinzu kommt nach dem ersten Weltkrieg der wachsende Nationalismus in Ägypten mit der Forderung nach Unabhängigkeit. Die Frauenbewegung unterstützt dies mit der Hoffnung auf Gleichberechtigung und dem Wahlrecht für Frauen. So auch Hudā Schaʿrāwī, welche 1920 die erste politische Frauenorganisation gründet. Doch nach der Unabhängigkeitserklärung bleibt das erhoffte Wahlrecht für Frauen trotz offizieller Gleichberechtigung aus.

Feministisches & philanthropisches Engagement

Nach dieser Enttäuschung und dem Tod ihres Mannes nutzt Hudā Schaʿrāwī ihre Bekanntheit und ihre Unabhängigkeit von einem Mann für ihr feministisches Engagement. Sie hat nämlich internationale Bekanntheit erlangt, als sie 1923 öffentlich ihren Gesichtsschleier abgenommen hat. Sie gründet die Ägyptische Feministische Union (EFU). Ihre wichtigsten Anliegen sind Bildung und bessere Berufsmöglichkeiten für Frauen, gleiche Rechte und eine Anpassung der Ehegesetze. So setzt sie 1923 das Mindestalter von 16 Jahren für die Ehe durch und ein Jahr später wird dank ihres Engagements in Kairo die erste weiterführende Mädchenschule eröffnet. Bis zu ihrem Tod war sie an philanthropischen Projekten beteiligt, wobei sie allerdings die Reichen als Beschützer*innen der Nation und die Armen als passive Empfänger*innen sozialer Dienste betrachtete.

Verbindung von Feminismus & der Nationalbewegung

1935 reist Hudā Schaʿrāwī zur internationalen Frauenkonferenz nach Istanbul und trifft auf ihr Vorbild Atatürk. Sie wird zur Vizepräsidentin der „International Alliance of Women“ (IAW). Die europäischen Feministinnen kämpfen zwar gemeinsam mit den Araberinnen für ein Frauenwahlrecht, doch die Grenzen der Solidarität sind an der Stelle erreicht, wo die arabischen Feministinnen nationale Unabhängigkeit fordern oder sich für Palästina einsetzen. In den Vierzigern gründen diese schließlich die „Arabische Feministische Union“ und Hudā Schaʿrāwī wird deren Präsidentin. 1947 stirbt sie an einem Schlaganfall. Für uns ist sie aufgrund ihres Engagements für Frauenrechte unsere Frau der Woche.

 

Charlotte Kaemmerer

 

Quellen:

https://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/feminismus-in-islamischen-laendern-als-der-schleier-fiel-a-1132756.html

https://de.qaz.wiki/wiki/Huda_Sha%27arawi

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