Unsere Frau der Woche: Molly Burke

Sie reist für ihr Leben gern, liebt Mode, mag Sushi und kuschelt gerne mit ihrem Hund Gallop. Und sie ist blind. Gallop ist ein Blindenhund.
Die Youtuberin Molly Burke lässt wöchentlich die Welt an ihrem ganz speziellen und doch so normalen Alltag als junge (blinde) Frau teilhaben und klärt damit nicht nur über ihre Erkrankung auf, sondern widerlegt auch Vorurteile gegenüber Blinden. Für ihre über 500.000 Abonnent*innen ist diese Powerfrau daher eine echte Inspiration – und genau deshalb unsere Frau der Woche.

Als die gebürtige Kanadierin nur vier Jahre alt war, bekam sie die Schockdiagnose: Retinitis Pigmentosa. Das ist eine angeborene Erkrankung der Augen, bei der nach und nach die Sinneszellen der Netzhaut absterben und die letztlich zur Erblindung führt. Betroffene bemerken dies vor allem an Nachtblindheit und der Einengung des Gesichtsfeldes. Bis Molly 14 Jahre alt war, lebte sie mit nur etwa zwanzig Prozent der normalen Sehfähigkeit.
Trotzdem begann sie schon als Fünfjährige ihre Karriere als Rednerin für The Foundation Fighting Blindness Canada und teilte ihre Geschichte mit anderen.

Die Teenager-Jahre sind schwierig – erst recht, wenn man blind ist

schematische Übersicht aller englischen Buchstaben und deren Version in Blindenschrift

By Geen idee (Google) [Public domain], via Wikimedia Commons, edited by Hentschel

Mit vierzehn verlor Molly ihre restliche Sehkraft und erblindete komplett. Sie kämpfte daraufhin mit Depression, Selbstmordgedanken und selbstverletzendem Verhalten. Die Aussicht auf völlige Blindheit war seit der Diagnose zwar immer da gewesen, aber die Hoffnung, dass die Sehkraft noch so viele Jahre wie möglich bleiben würde, blieb natürlich trotzdem. Erschwerend hinzu kam, dass Molly damals von Mitschüler*innen gemobbt wurde. Noch heute hat die Influencerin mit Posttraumatischer Belastungsstörung und Angststörung zu kämpfen.

Doch Molly Burke ist eine Kämpferin

Sie lernte mit der Zeit ihre Behinderung anzunehmen und trotzdem – oder gerade deshalb – ihr Leben zu leben. Mittlerweile reist sie als Motivationsrednerin für Schulen, Universitäten, Unternehmen und Non-Profit-Organisationen um die Welt und inspiriert mit ihrer Geschichte. Ihr größtes Publikum bisher umfasste 20.000 Leute!
Sie hat außerdem mit Aktivist*innen wie Martin Luther King 3., Desmond Tutu,Malala Yousafzai und den Kielburger Brüdern kollaboriert. 2016 bat die kanadischen Regierung Molly Jugendliche mit Behinderungen vor den UN zu vertreten.

Für ihre derzeit über 500.000 Follower auf Youtube sind es vor allem die ganz „normalen“ Dinge in Mollys Leben, die interessant sind. Die 24-Jährige zeigt in ihren Videos beispielsweise, wie sie als blinde Person Smartphone und Laptop benutzt, wie sie sich selbst schminkt oder für einen Marathon trainiert. Zuschauerfragen wie „Erinnerst du dich, wie Farben aussehen?“, „Was war das Letzte, das du gesehen hast?“ oder „Warum trägst du keine dunkle Sonnenbrille?“ beantwortet sie geduldig und so genau wie möglich.

Sicherlich hat Molly Burke auch schlechte Tage, ist auch manchmal auf Hilfe von anderen angewiesen. Aber sie macht das Beste aus ihrer Beeinträchtigung. Viele von uns, die persönliche Probleme mit sich schleppen, die Traumata verarbeiten oder chronisch krank sind, wollen lernen, mit der Situation umzugehen. Ich glaube, Molly will uns mit ihren Videos, Reden und Interviews etwas anderes vermitteln. Sie will, das wir alle lernen, mit unseren Situationen zu leben.

Juliane Hentschel

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