Unsere Frau der Woche: Simone de Beauvoir

Illustriertes Portrait von Simone Debeauvoir

(c) Jennifer Höltken

„Mit fünfzehn Jahren wünschte ich mir, dass die Leute eines Tages meine Biographie mit gerührter Neugier lesen würden. Diese Hoffnung war es, die in mir den Wunsch weckte, eine bekannte Autorin zu werden.“ Dieser Wunsch ging in Erfüllung, weil die bekannte Philosophin Simone Lucie-Ernestine-Marie-Bertrand de Beauvoir sich für ihre Träume und Überzeugungen einsetzt. Sie wurde am 9. Januar 1908 in Paris geboren. Dies war auch die Geburtsstunde zahlreicher Ideen, welche die Welt heute noch bewegen und Simone de Beauvoir zu einer Vordenkerin des Feminismus werden lassen.

Lesen und die Liebe zum Wissen

Bereits als Vierjährige bringt sie sich selbst das Lesen bei. Durch ihre Mutter Françoise Brasseur erfahren sie und ihre Schwester eine streng katholische Erziehung, gegen die sich Simone de Beauvoir schon früh auflehnt. Ab 1926 studiert sie an der Pariser Sorbonne Philosophie, nachdem sie Vorlesungen in Mathematik und Philologie besucht hat. Ihre Abschlussarbeit schreibt sie über Gottfried Wilhelm Leibniz. 3 Jahre später wird ihr als Zweitbeste des Jahrgangs die Lehrerlaubnis erteilt. Schon im Studium lernt Simone de Beauvoir den Philosophiestudenten Jean-Paul Sartre kennen, dessen Gedankengänge sie faszinieren. So versucht sie in seiner Nähe zu bleiben und nimmt dafür eine Stelle als Lehrerin in Paris an. Sie leben dennoch eine offene Beziehung in der es einige Affären und Liebschaften gegeben haben soll. Sie lehrt Philosophie von 1931 bis 1943 in Paris, Rouen und Marseille. Dann wird sie entlassen, weil sie die Beziehung eines Mädchens mit einem Jungen jüdischen Glaubens verteidigt.

Die Reisen zum Erfolg

Nachdem Simone de Beauvoir ihren Job verloren hat, gibt sie nicht auf und beginnt als Programmgestalterin bei „Radio Nationale“ zu arbeiten. Zeitgleich bringt sie zwei philosophisch geprägte Romane heraus: „L’invitée“ (Sie kam und blieb) und „Le sang des autres“ (Das Blut der anderen). Die Bücher verkaufen sich so gut, dass die Philosophin sich fortan erlauben kann als freie Schriftstellerin tätig zu sein. Es folgt die Veröffentlichung des philosophischen Essays „Le deuxième sexe“ (Das andere Geschlecht), der ihr zu großer Aufmerksamkeit verhilft und eine Grundlage für die neue Frauenbewegung schafft. „Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht.“ ist eines ihrer berühmtesten Zitate. Sie zeigt die existenziellen Fragen des Daseins für Frauen auf. Hat die Frau in ihrer Lebensgestaltung eine freie Wahl? Wie stark ist der Werdegang sozial geprägt und bedingt durch Abhängigkeiten? Welche Wahlmöglichkeiten hat frau im Leben, existiert da eine Freiheit? Ihre Überlegungen zur Rolle der Frau provozieren viel Kritik aus verschiedenen politischen Lagern.  Neben den Kritiker*innen findet sie auch Unterstützung und wird in verschiedene Länder eingeladen. Auch privat ist sie gern international unterwegs. 1954 bekommt sie für den Roman „Les Mandarins“ (Die Mandarins von Paris) den Prix Goncourt verliehen, die höchste Auszeichnung für Literatur in Frankreich.

Einsatz für Frieden und Feminismus

Mit Jean-Paul Sartre engagiert Simone de Beauvoir sich gemeinsam gegen den Vietnam- und den Algerienkrieg. Als eine der ersten Frauen bezieht sie öffentlich Stellung zum Thema „Abtreibung“ und unterschreibt, die öffentliche Erklärung „J’ai avorté“(Ich habe abgetrieben). Damit geht sie einen wichtigen Schritt für alle Frauen und ihr Recht auf Selbstbestimmung. Da Simone de Beauvoir selbst vermutlich nicht schwanger war, zeigt sich, dass sie sich auch an dieser Stelle nicht nur in eigenem Interesse, sondern für die Gesamtheit der Frauen einsetzt.

1974 wird sie Vorsitzende der französischen Liga für Frauenrechte. Sartre bleibt sie bis zum Tod verbunden und wird schließlich neben ihm auf dem Pariser Friedhof Montparnasse beerdigt.

Simone de Beauvoir setzt sich mit ihrem gesamten Wissen für die Rechte der Frauen ein. Sie nutzt die Kraft, die sie aus der Philosophie und ihrem Wissen schöpft, um anderen zu helfen. Und dies tut sie unbeirrt, auch wenn es sie ihren Job kostet oder ihre Meinung zu öffentlichen Unruhen führt. Das macht sie zu unserer Frau der Woche und zu einem aktuellen Vorbild, über 110 Jahre nach ihrer Geburt.

Nele Woehlert

 

Quelle: Beck, Barbara: Die berühmtesten Frauen der Weltgeschichte

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  1 comment for “Unsere Frau der Woche: Simone de Beauvoir

  1. Doris Schibert
    6. September 2018 at 7:59

    Danke liebe Nele Woehlert, sehr schön geschrieben. Simone’s intelligente Äußerungen und Ansichten wären/sind heute noch aktuell:
    Auch Genossen sind Paschas. (…) Der Widerspruch Frau/Mann ist genauso wichtig wie jeder andere. Da steht immerhin die Hälfte der Menschheit gegen die andere Hälfte. Beide, Geschlechter- und Klassenwiderspruch, sind wichtig. (…) die Frauenbewegung muss eine Verbindung zwischen beiden finden. (Simone de Beauvoir in einem Interview mit Alice Schwarzer, Spiegel 1976) Ein ›Linker‹ muss China bedingungslos bewundern, muss Partei ergreifen für Nigeria und gegen Biafra, für die Palästinenser und gegen Israel. Solchen Bedingungen füge ich mich nicht.

    (Simone de Beauvoir in Alles in allem)

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