Angelika Waldis: Aufräumen (Buch Prüfung)

waldis_aufraeumen_wpLuisa ist ungefähr 70, als sie beschließt, in ihrem Leben Ordnung zu schaffen. Damit meint sie aber nicht so ein bisschen Rumputzen, sondern Grundsätzliches: Sie will mit ihrem Mann Alfred, ihrem Schwiegersohn Roman und Doktor Hausammann aufräumen. „Dass es lauter Männer sind, ist Zufall. Es sind einfach drei, die ihr, Luisas, Leben verwüsten, das ist alles. Sie müssen weg. Erst wenn sie weg sind, wird sie Ruhe haben.“

So zufällig wirkt es aber nicht.

Besonders Alfred, den sie ja nun aus nächster Nähe erlebt, wirkt wie ein typisches Mannsbild. Sie fährt nach Genua, wo Alfred jetzt lebt, in der Tasche hat sie alle Zutaten für den geplanten Mord. Auf der Fahrt lernt sie einen aus der Psychiatrie Entflohenen, Flack, kennen, bleibt mit ihm zusammen, bis sie Genua erreicht hat und schaut sich von ihm einige Verrücktheiten ab. Wir erfahren Einiges aus ihrem Leben, vor allem von ihrer Tochter Maya. Die wurde in der Narkose von Dr. Hausammann falsch behandelt und ist seitdem ein Krüppel. Aber auch von ihrer zweiten Tochter wird erzählt, von Urlauben, von ihrer Arbeit als Hauswirtschaftslehrerin, von ihrer Mutter, von einem Geliebten und natürlich von den drei Männern, die jetzt weg müssen. Luisa macht dieses Leben mit: „Sie brachte die Kinder in die Krippe. Sie holte die Kinder von der Krippe ab. Sie kaufte ein und wusch und putzte. Sie verbrachte die Nachmittage im kleinen Park nebenan. Sie las nie in dem Buch, das sie mitnahm.“

Das Ende ist versöhnlich. Der aus der Psychiatrie Geflüchtete kehrt zurück, sie machen einen gelungenen Ausflug mit Maya. „Was sie nicht sagt, ist sehr schön.“, merkt Flack an.

Luisa macht vor, was es heißen kann, alt zu werden und im Leben Ordnung zu schaffen. Ihr Leben besteht aus Mitmachen und dann, als es schon spät ist, aus Aufkündigung der Mitarbeit. Leichthändig schreibt Waldis ihre Geschichte auf. Ein Buch für einen Abend.

Angelika Waldis ist 1940 geboren, sie ist Schweizerin, sie gründete und leitete die Jugendzeitschrift „Spick“, erhielt 2000 den Schweizer Jugendbuchpreis. Heute schreibt sie Literatur für Erwachsene und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Piper Taschenbuch 2014, 152 Seiten, 8,99 €

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