Presse-Pott am 26.10.20

Stellt euch warmen Tee bereit, die Tage werden kälter und herbstlich. In unserem Presse-Pott sprechen wir über ernste Themen wie den Gesetzesentwurf des Bundeskabinetts zur verschärften Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder, ärgern uns über sexistische Interviewfragen vom SPIEGEL an Virologin Sandra Ciesek und freuen uns über eine Preisvergabe. In Neuseeland gibt es im weltweiten Vergleich eine fortschrittliche Entwicklung bezüglich der Sichtbarkeit queerer Menschen in der Politik. Am Dienstag war Weltstatistiktag. Und Studierende starten eine Soli-Kampagne für unbezahlte Care-Migrant*innen. Viel Spaß beim Lesen!

Abtreibungsrecht in Polen jetzt völlig unzumutbar

Am Donnerstag verschärfte das polnische Verfassungsgericht das ohnehin überaus restriktive Abtreibungsrecht in Polen…. In Zukunft werden Polinnen kein Recht mehr auf eine eigene Entscheidung haben, wenn sie die Diagnose „fehlendes Gehirn“ oder „offenes Rückgrat“ bei ihrem noch im Bauch heranwachsenden Baby bekommen. In ganz Polen wird protestiert, und in Berlin führt die Gruppe Dziewuchy Berlin die Protestkampagne an.

Sexistische Interviewfragen im SPIEGEL-Interview mit Virologin Prof Sandra Ciesek

Warum wird die Virologin und Professorin Sandra Ciesek vom Spiegel als „Quotenfrau“ bezeichnet, während ihr Kollege beim Corona-Update Podcast des NDR, Christian Drosten, als Held gefeiert wird? In einem Interview im SPIEGEL stellen Veronika Hackenbroch und Rafaela von Bredow der Professorin erst einmal eine Reihe von Fragen zur Tatsache, dass sie eine Frau ist. Statt sie zu ihrem Fachwissen zu befragen. Und sie vergleichen sie immer wieder mit ihrem Kollegen. Auf die dreiste Frage, ob sie wisse, dass sie die „Quotenfrau“ sei, räumt Ciesek im Interview zwar ein, dass der NDR vermutlich gerne eine Frau dabei habe, aber sie stellt klar:

„Aber nüchtern betrachtet habe ich genau die gleiche Stellung wie Herr Drosten. Ich leite ein virologisches Institut an einer großen Universität. Ich muss mich nicht verstecken.“ Sandra Ciesek im Interview mit dem SPIEGEL vom 16.10.

Warum hat der SPIEGEL derart sexistische Fragen wie diese zugelassen? Ein Skandal, finden viele, auf Twitter wurde eine große Debatte losgetreten, mehr dazu hier. Auch Ciesek selbst äußerte sich auf Twitter. Gut, dass darüber geredet wird, doch lasst uns in Zukunft wieder über Sandra Cieseks Fachwissen zu Corona sprechen, denn darum sollte es gehen.

„Preis“ für Sexismus

Die Zeitschrift emma hat dem FDP-Politiker Christian Lindner den Negativ-Preis „Sexist Man Alive 2020“ verliehen. Nein, nicht der „Sexiest Man Alive“, ein Titel, den das US-amerikanische People Magazine jedes Jahr an den Mann mit dem „größten Sex-Appeal“ vergibt. Sondern der „sexist man“, also der sexistischste. Der kleine Unterschied: nur ein Buchstabe, aber sehr verschiedene Preise. Lest hier selbst, wie es dazu kam.

Gesetz gegen sexualisierte Gewaltverbrechen an Kindern

Das Bundeskabinett hat einen Gesetzesentwurf zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder beschlossen. „Das schreckliche Unrecht dieser Taten muss auch im Strafmaß zum Ausdruck kommen“, so äußerte sich Bundesjustizministerin Christine Lambrecht zu den neuen Änderungen. Der Entwurf soll das Strafgesetzbuch um einige Erweiterungen ergänzen sowie viele Punkte verschärfen. Die Strafen für „sexualisierte Gewalt gegen Kinder“, so lautet die neue offizielle Bezeichnung, sollen fortan weitaus härter ausfallen. Der Straftatbestand soll fortan als Verbrechen gelten und mit einem Strafrahmen von bis zu 15 Jahren einhergehen – bisher waren nur höchstens zehn Jahre festgeschrieben. Auch die Verbreitung von Kinderpornografie soll in Zukunft stärker belangt werden. Anstatt der bisherigen Zeit von drei Monaten bis zu fünf Jahren soll nun eine Freiheitsstrafe von einem Zeitraum bis zu zehn Jahren vorgesehen werden. Zudem sollen sowohl die Prävention als auch die Strafverfolgung von sexualisierten Gewaltverbrechen gegen Kinder gestärkt werden. Über weitere Verschärfungen der Gesetzeslage wird nun weiter im Bundestag diskutiert. Die Details zum Gesetzesentwurf könnt ihr hier nachlesen.

Papst Franziskus befürwortet Partnerschaften von Homosexuellen

… Aber nicht die Priesterinnenweihe – darauf steht die Exkommunikation – und nicht eine Lockerung des katholischen Abtreibungsrechts. Es fragt sich also, welche Strategie der Papst gerade verfolgt. Homosexuelle hätten das Recht auf eine Familie; Frauen haben aber immer noch nicht das Recht, über ihre eigenen Körper zu entscheiden.

Neuseelands Politik: So queer wie noch nie

Seit letzter Woche ist bekannt: Neuseeland besitzt nun das queerste Parlament der Welt. 11 der 120 Parlamentssitze werden von offen queeren Politiker*innen belegt werden, laut aktuellen Auszählungen. Hierbei erfolgt im Vergleich zum vergangenen Jahr ein Anstieg von 4 neuen Politiker*innen, die im Spektrum der LGBTQI+ zu verorten sind. Dazu zählen Ayesha Verrall und Shanan Halbert aus der Labour Partei. Zu den neuen, queeren Gesichtern gehören auch Elizabeth Kerekere und Ricardo Menéndez March von der Greens Partei.

Damit besitzt nun das Neuseeländische Parlament einen Anteil von 9,17 Prozent an queeren Politiker*innen. Hiermit schlägt das Land das Parlament der UK, welches mit 7 Prozent bisher weltweit führend war. Die Wahl fand am 17. Oktober statt. Es ist möglich, dass sich die Ergebnisse durch die noch nicht ausgewerteten Briefwahlen noch geringfügig ändern. Mit einem aktuellen Anteil an 9,17 Prozent ist es jedoch unwahrscheinlich, dass der Wert unter die 7 Prozent der UK fällt.

caredrobe – Lasst uns über Pflege sprechen!

Was als ein Semesterprojekt begonnen hat, ist nun zu etwas viel Größeren geworden. Drei Studentinnen möchten den Dialog über un/bezahlte Sorgearbeit anregen und auf die prekären Arbeitsbedingungen von Care-Migrant*innen hinweisen. Erreichen möchten sie dies durch den Verkauf ihrer solidarischen „nicht vierundzwanzigsieben“-T-Shirts, welche im Rahmen ihres Projekts „caredrobe“ entstanden sind. Um dieses Vorhaben zusätzlich zu finanzieren, läuft derzeit eine Crowdfunding-Kampagne. Bis zum 03.11.20 habt ihr die Möglichkeit Leonie, Emmelie und Anna bei der Realisierung ihres Projekts zu unterstützen.

Dienstag war Weltstatistiktag – Wie viele … in Bremen ?

Am 20.10. informierte das Statistische Landesamt Bremen anlässlich des Weltstatistiktages über die dortigen Datenerhebungen. So erhebt das Amt jährlich Daten für über 250 Statistiken, um über gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Fakten zu informieren. Jede*r kann auf die Daten in verschiedenen landes- und bundesweiten Portalen zugreifen, denn sie dienen neben politischer Willensbildungen, Forschung und Unternehmen auch der Information der Öffentlichkeit. Das Bremer Statistische Landesamt hat eine Übersicht mit mehreren Datenportalen zum Durchklicken zusammengestellt. Klingt kompliziert? Wir haben es mal ausprobiert und in das „Bremen Infosystem“ geschaut und die Tabelle des Zensus 2011 zu „Bevölkerung nach Geschlecht, Altersgruppen und höchstem Schulabschluss“ angeguckt. Dort konnten wir auswählen, welche Punkte uns interessieren, wie den Grad des Schulabschlusses, das Alter und das Geschlecht und ob wir Daten für das Land oder die Stadt Bremen oder Bremerhaven sehen möchten. OK – wieviele Frauen im Land Bremen zwischen 20 und 30 hatten im Jahr 2011 keinen Schulabschluss? Klick hier, klick da – ah 1690 Frauen und insgesamt 3440 Bremer*innen. Fazit- es ist gar nicht so schwierig und man kann Zahlen zu vielen interessanten Fragen erhalten die man sich schon immer oder vielleicht noch nie gestellt hat.

Charlotte, Melissa, Sarah H., Sarah-Lisa, Irene, Glenys

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