Love, Love, Love – Wie steht es um unsere Liebe?

Auf dem Bild ist ein angebissener Berliner in Herzform zu sehen, dessen Marmeladeninhalt ausläuft

(c) Svenja Steenken

Es ist Februar und somit die Zeit im Jahr, in der sich merkwürdige Begebenheiten ereignen. Der Spam-Ordner des Email-Postfaches quillt über vor lauter „verführerischen“ Angeboten. Die Herzkette, das T-Shirt oder auch die Uhr, für die du dich vor langer Zeit mal interessiert hast, winken mit „unschlagbaren“ Preisen. Der Blumenladen um die Ecke hat das Schleierkraut und die Tulpen ins hintere Eck verbannt. Anstatt des gewohnten bunten Bildes siehst du nun nur noch rot. Rosen, ob kleine oder große, mit oder ohne Schleife. Auch der übliche Weg zu deiner Lieblingsschokolade hat sich verdächtig verkürzt. Musstest du sonst erst durch die Gemüse-Abteilung deines Supermarktes des Vertrauens schlendern bis du den Schokoladenhimmel erreicht hast, erliegst du nun direkt vor dem Kassenbereich der zarten Verführung. Ohne Frage, es ist eine merkwürdige Zeit. Es ist die Zeit im Jahr, die Herzen höherschlagen lässt. Es ist Valentinstag.

Das Fest der Liebenden

Der Valentinstag, auch als Festtag der Liebenden bekannt, hat seinen Ursprung im ersten Jahrhundert. Damals als kirchlicher Märtyrer-Gedenktag eingeführt, geht der Festtag der Liebenden auf den Heiligen Bischof Valentin zurück. Den überlieferten Geschichten zufolge, heilte er Kranke und Menschen mit Behinderung, verschenkte Blumen an Verliebte und traute Liebespaare gegen den staatlichen Willen. Bischof Valentin wurde am 14. Februar hingerichtet. Seitdem wurde er als ein Symbol der Liebe verstanden. Wie makaber, dass sich Jahrhunderte später der Tag seiner Hinrichtung als Festtag der Liebenden erweist.

Hiebe statt Liebe

Schnitzel-und-Blowjob-Tag, kurz Schniblo, heißt der Tag am 14. März, einen Monat nach dem Valentinstag, an dem sich Männer im Gegenzug für die schlaflosen Nächte, stundenlangen Recherchen, das intensive Brainstorming, und den literweisen Kaffee, für die Mühe, Frauen einen unvergesslichen Valentinstag zu bescheren, mit einem Männer-Tag belohnen. Im Zuge der Gleichberechtigung, versteht sich.

Die Frauen der Schöpfung reagieren auf diesen, nicht ganz ernst gemeinten, Seitenhieb mit einem, noch weniger ernst gemeinten Kuchen-und-Cunnilingus-Tag. Sexuelle und kulinarische Selbstbestimmung, juchey! Dieser Tag, wie sollte es auch anders sein, findet am 14. April, genau einen Monat nach dem „Männer-Tag“ und wiederum zwei Monate nach dem Valentinstag statt.

Der Wettstreit um den besten Gegenentwurf zum Valentinstag kulminiert dann schließlich in den Singles‘ Day, eine Art Anti-Valentinstag für Alleinstehende. Am 11.11. stattfindend – man beachte die Zusammensetzung des Datums aus ausschließlich Einsen – hat sich dieser Singles‘ Day zu einer großen Rabattschlacht entwickelt. Den Anfang für diesen Festtag des Konsums machte ein chinesischer Onlinehändler, als er vor acht Jahren für 24 Stunden Preisnachlässe für Singles gewährte.

Die Bilanz aus der Geschicht‘: Im Rennen um die originellere Anti-Bewegung scheint eines auf der Strecke geblieben zu sein, Liebe. Doch was bedeutet Liebe eigentlich?

Liebe ist …

Liebe ist leise, so trällert der sympathische Musiker Bosse in seinem gleichnamigen Song. Traut man den Worten der britischen Alternative-Rock-Band Placebo ist jedoch Gegenteiliges der Fall: Loud like Love heißt es in ihrem Lied, welches gleichzeitig als Titel für ihr siebtes Musikalbum auserkoren wurde. Liebe ist Alles und zugleich Nichts. „Sie könnte sich gut anfühlen und könnte wehtun“, so unserere Autorin brecht. Vor allem ist Liebe aber eines: vielseitig und individuell. Auch kostet Liebe nichts. In der Liebe spielt es keine Rolle, wie viel man investiert oder zurückbekommen hat. Liebe erwartet nichts. Keinen Blumenstrauß, kein Steak, keinen Kuchen. Liebe bedeutet Respekt. Respekt deinem Partner, deiner Partnerin und dir selbst gegenüber. In diesem Sinne, zelebriere den Valentinstag, den Schnitzel- und Kuchentag, den Singles‘ Day, aber vergesse eines nicht: zu lieben.

Svenja Steenken

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