Presse-Pott am 30.11.2020

Viele Länder haben den 25. November als Stichtag genommen, um Maßnahmen zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen einzuführen. In England wird die Definition von häuslicher Gewalt vor Gericht ausgeweitet und verschärft und Bundesministerin Giffey lud alle europäischen Amtskolleg*innen dazu ein, eine gemeinsame Notfallnummer gegen Gewalt ein zu richten. Bremen startete den Landesaktionsplan Istanbul-Konvention: Nur Saudi-Arabien nahm den Tag zum Anlass, Feministinnen jetzt unter den Terrorgesetzen anzuklagen.

Neuer Instagram- und Snapchat Filter zum Tag gegen Gewalt an Frauen

Seit dem 25. November, dem Tag gegen Gewalt an Frauen, ist auf Instagram- und Snapchat ein neuer Filter verfügbar. Bei dem Filter handelt es sich um einen Schleier, Blumenstrauß und Klebeband über dem Mund. Jenes soll die Nutzer für das Thema der Zwangs- und Frühehe sensibilisieren. Der Filter kann auf Instagram gefunden werden, indem bei den Filtern bis nach ganz rechts durchgewischt wird, man auf das Lupensymbol tippt und in der Suchleiste nach „_NoVioLense_“ sucht.

Weitere Demonstration zum Erhalt der Friedensstatue

Ebenfalls am Tag gegen Gewalt an Frauen, fand in Berlin eine weitere Demonstration zum Erhalt der Friedensstatue statt. Die Statue wurde im Gedenken an Südkoreas Trostfrauen errichtet, welche während des zweiten Weltkriegs Zwangsprostitution und sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Durch politischen Druck droht sie nun wieder zu verschwinden, wir berichteten. Ob die Statue bleiben kann ist noch unklar.

Europaweite Nummer für Hilfetelefone tut Not

EU-Gleichstellungsminister*innen fordern mehrheitlich europaweite Nummer für Hilfetelefone.
Bundesministerin Giffey sagte: „Der Schutz von Frauen vor Gewalt braucht eine europäische Antwort.“ – 116 016 – unter dieser Telefonnummer sollen in Zukunft Frauen, die von Gewalt betroffen sind, in vielen Ländern Europas Hilfe bekommen. Dafür hat sich am 20. November 2020 eine Mehrheit der Gleichstellungsministerinnen und -minister aller EU-Staaten sowie der EFTA-Staaten (Schweiz, Norwegen, Liechtenstein, Island) und Großbritannien auf einem Informellen Treffen ausgesprochen. Bundesfrauenministerin Franziska Giffey, die die Videokonferenz geleitet hatte, sprach anschließend von einem starken Signal für betroffene Frauen und Mädchen in ganz Europa.

Missbrauch durch Priester und Ordensleute – Gewalt gegen Frauen ist Missbrauch und Verbrechen

Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (25. November) präsentierte der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB) das Buch „Erzählen als Widerstand“. Es stellt Missbrauch an erwachsenen Frauen als Form von geschlechtsspezifischer Gewalt in Räumen der Kirche dar. Zu Wort kommen darin Frauen, die sexuellen und spirituellen Missbrauch durch Priester und Ordensleute erfahren haben.

Unterstützung für Kinder und Familie in der Corona-Zeit: Auch eine europäische Aufgabe

Unter dem Titel „COVID-19 überwinden – gemeinsam Perspektiven für starke Familien entwickeln“ diskutierte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey bei einer internationalen Online-Konferenz unter anderem mit der Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Dubravka Šuica, dem zuständigen EU-Kommissar Nicolas Schmit, ihrer finnischen Kollegin Krista Kiuru und dem französischen Staatssekretär für Kinder und Familien Adrien Taquet über die Herausforderungen der Corona-Pandemie und welche Antworten die Politik darauf hat. Rund 150 Expert*innen aus allen 27 EU-Mitgliedstaaten, Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft tauschten sich bei der Konferenz in verschiedenen Panels darüber aus.

UK-Gesetz gegen häusliche Gewalt tritt 2021 in Kraft

Von entscheidender Bedeutung ist die erstmalige rechtliche Bestimmung von häuslicher Gewalt in Großbritannien. „Häusliche Gewalt“ bezieht sich dann nicht nur auf körperliche Misshandlungen, sondern bedeutet auch seelische, ökonomische, kontrollierende und Zwangsgewalt. Eine neu eingesetzte Regierungskommissarin bekommt dazu stärkere Befugnisse zur gerichtlichen Verfolgung.

Feminismus = Terrorismus in Saudi-Arabien

Nur eine Woche nach Beendigung ihrer Gastgeberrolle beim G20-Gipfel – der auch Frauenrechte zum Thema hatte – unterstellt Saudi-Arabien die schon 900 Tage inhaftierte Loujain al-Hathloul einem Gericht zur Verfolgung von Kriminalität und insbesondere Terrorismus. Loujain al-Hathlou hatte sich eingesetzt für das Recht von Frauen, Auto zu fahren.

Hygieneprodukte in Schottland jetzt kostenlos

Seit dem 24. November 2020 sind alle schottische Schulen und Behörden rechtlich dazu verpflichtet, Tampons oder Binden kostenlos zur Verfügung zu stellen. Wir hoffen, das macht Schule.

Nominierte für den Goldenen Zaunpfahl stehen fest!

Die öffentliche Bekanntgabe und Verleihung des Goldenen Zaunpfahl ist ein medienwirksames Mittel, um Gendermarketing und seine nachgewiesen einschränkenden Folgen für Kinder und Erwachsene einem breiteren Publikum bekannt zu machen und eine öffentliche Debatte anzustoßen. Hier sind nun die diesjährigen Kandidat*innen!

Bremen News

Was in Bremen am 25. November so los war

Zum ersten Mal wurden am Bremer Rathaus Fahnen mit der Aufschrift „Bremen sagt Nein zu Gewalt gegen Frauen“ gehisst. In Zukunft soll die neue Landesflagge jedes Jahr am 25. November an öffentlichen Gebäuden wie der Bremer Bürgerschaft und den Senatsressorts wehen. Bürgermeister Andreas Bovenschulte betonte in einer Videobotschaft, wie wichtig es sei, der alltäglichen Gewalt gegen Frauen entgegenzutreten.

Zwei Tage zuvor, am 23.11.2020 startete die Bremische Bürgerschaft mit einem Landesaktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention. Zum Auftakt gab es eine Videokonferenz mit 150 Fachleuten.

belladonna-Bremen lädt traditionell am 25. November ins Bremer Frauenarchiv und die Fachbibliothek in der Sonnenstraße ein. Erstmals erfolgte dieser Rundgang nun virtuell in den sozialen Medien und lässt sich im Blog weiterhin aufrufen.

Das Theater Bremen bespielte den Goetheplatz per Audiofile mit Textausschnitten von Virginie Despentes, Carolin Emcke, Christina Klemm, Margarete Stokowski und legte Flyer zum Thema Gewalt gegen Frauen aus.

Das Feministische Frauen- und Queer-Streik-Bündnis Bremen rief unter dem Motto „Solidarisch gegen patriarchale Gewalt“ zu einer Demonstration auf.

Und sonst noch

Die Erklärung der Landesfrauenbeauftragten Bettina Wilhelm zu den rassistischen und sexistischen Vorfällen bei der Bremer Feuerwehr könnt ihr hier lesen. Die SPD-Fraktion Land Bremen äußerte sich auch dazu – und Innensenator Mäurer schaltete die Kripo ein.

Kleiner Auszug aus der Akte Latzel? Bitte sehr! Frauen sind minderwertig, Buddhisten, Moslems, Katholiken, Atheisten sind „des Teufels“ und „Dreck“.

 

Sarah H., Irene, Ricarda

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