#3 Antifeministische Behauptung

Sind wir tatsächlich schon gleichberechtigt? Die Frauenquote soll Abhilfe schaffen, doch nicht alle sehen das gleich.

#3 Antifeministische Behauptung

„Die Frauenquote ist völlig überflüssig und zudem ungerecht! Frauen sollten auf Grund ihrer Leistung und nicht ihres Geschlechts eingestellt und bewertet werden. Wenn uninteressierte Frauen sich auf den Quoten ausruhen, benachteiligt dies nur die Männer.“

Was wird behauptet?

Quotenregelungen in der Privatwirtschaft werden immer wieder stark kontrovers diskutiert. Hinter der Regelung der geschlechter- bzw. genderbezogenen Quotenregelung verbergen sich mehrere Paradoxien. Die erste Paradoxie besteht darin, dass sich viele Frauen aufgrund ihres Geschlechts abgewertet fühlen. Dies hängt damit zusammen, dass Frauen als Gruppe durch die Quotenregelung als hilfsbedürftig eingestuft werden. Dies ändert nichts an den momentanen Rollenvorstellungen und –verteilungen, da Frauen weiterhin anders als Männer eingestuft werden. Eine weitere Paradoxie scheint, dass eine Gleichberechtigung der Geschlechter nur erreicht werden kann, wenn ein Teil Diskriminierung erfahren muss. Viele Männer fühlen sich durch die Regelung der Frauenquote benachteiligt, da sie auf der Strecke bleibe. Die Behauptung, dass der scheinbar gerechte Wettbewerb, um die Besetzung von Gremien und Stellen verzerrt werde, verhindert, dass verbindliche Quotenregelungen sich bisher langfristig durchsetzen konnten. Die Behauptungen gehen sogar so weit, dass man Frauen die Schuld an der Unterrepräsentation von Frauen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft selbst zuschreibt. Viele zeigen wohl einfach kein Interesse an Führungspositionen und verschulden damit ihre Unfähigkeit selbst.

Was beinhaltet die Quotenregelung eigentlich?

Frau hält Schild mit Aufschrift vor ihrem Gesich

Verschulden Frauen ihre Benachteiligung selbst?
(c) Antje Robers

Die Frauenquote oder allgemein auch Geschlechterquote oder Genderquote bezeichnet eine gleichheitspolitische Regelung, die einen bestimmten Anteil von Positionen für die Besetzung von Frauen vorsieht. Sie wird eingesetzt um der schwachen Besetzung von Frauen in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen, wie Wirtschaf und Politik entgegenzuwirken. Eine Quotenregelung im Allgemeinen soll Diskriminierung und/oder Unterrepräsentation einer marginalisierten Personengruppe vorbeugen. Quoten gehen also weit über die Erhöhung des Frauenanteils in der Besetzung von Gremien oder Stellen hinaus. Es geht neben der Beendigung von Sexismus, auch gegen Rassismus, Klassenhierarchien und –ausbeutungen und gegen heteronormative Geschlechterhierarchien. Hinter der Ablehnung von Quoten verbirgt sich daher oft eine unterbewusste Ablehnung von Gleichstellungspolitik im Allgemeinen.

Wir widerlegen!

Waage mit Zeichen von Männlichkeit und Weiblichkeit, wobei die männliche Seite mehr gewichtung hat

Strukturelle Benachteiligung für Frauen
(c) Antje Robers

Die Behauptung, dass die Frauenquote Männer diskriminieren würde, ist völlig ungerechtfertigt. Viele Männer sehen durch die Angleichung von Frauen in Führungspositionen natürlich ihre Privilegien davonschwimmen, da mehr Rechte für eine bestimmte Personengruppe gleichzeitig auch immer eine Einschränkung der momentan dominierenden Personengruppe bedeutet. Oftmals werden die bestehenden strukturellen Diskriminierungen hinsichtlich des Geschlechts völlig ausgeblendet, die aus historisch gewachsenen und tradierten Hierarchien und Privilegierungen entstanden sind. So stellt sich auch die Frage, in wie weit Geschlechterrollen und –erwartungen immer noch in unserer Gesellschaft eingeschrieben sind. Auch diese geschlechterspezifischen Erwartungen sind historisch gewachsen und bestimmten noch heute das Interesse, die Fähigkeiten und Lebensentwürfe der Geschlechter mit. Viele Berufs- und Politikfelder sind unterschiedlich geschlechterspezifisch aufgeladen und erwarten, bestimmte Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit zu bedienen. Reproduktive Tätigkeitsfelder, wie Kinderbetreuung, -versorgen und –erziehung, werden heutzutage immer noch in prekären Dienstleistungsverhältnissen von Frauen geleistet. Der geringe Frauenanteil in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen lässt sich daher nicht auf die individuelle Wahlentscheidung von Frauen zurückführen. Die Annahme, dass sich zu wenige qualifizierte und interessierte Frauen auf höhere Positionen bewerben, blendet die mittelbar oder unmittelbar diskriminierenden Auswahlverfahren völlig aus. Viele Stellen werden durch herrschende Männernetzwerke und aufgrund von persönlichen Kontakten vergeben. Nach Qualifikationen wird nur selten entschieden, weshalb wiederum nur Männer eingestellt werden. Die Hoffnung ist daher: Erst wenn mehr Frauen in Führungspositionen stehen, werden sich alte Rollenvorstellungen hin zu einem gleichberechtigteren Prinzip ändern.

Wer sich als Frau oder auch Mann persönlich diskriminiert fühlt, sollte sich mit seiner/m Gleichstellungsbeauftragten in Verbindung setzen.

Abschließend ist zu betonen. Dass Quoten nicht das Ziel haben, zu diskriminieren, sondern bestehende Diskriminierungen auszugleichen. Es ist ein erster Schritt, das Recht auf Gleichheit umzusetzen und eine langfristige Veränderung der Geschlechterverhältnisse zu unterstützen.

Laura Frey

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