Erlebnispädagogik – ein Treffen zwischen Diyarbakır und Bremen

Eine große Gruppe, 32 Personen, kulturell durchmischt, kunterbunt! Das sind wir – eine Patchwork-Familie, über Grenzen hinweg.

Zu sehen ist eine Frau die sich an einem Seil entlangtastet, während ihr die Augen zugebunden sind.

© Damla Ekin
Erlebnispädagogische Übung: „Roter Faden“

Ganze neun Tage haben wir miteinander verbracht und uns so erlebt, wie wir sind: Enthüllt in unseren Persönlichkeiten. Teilweise haben wir die Sprache der anderen nicht verstanden und dennoch kommuniziert. Mit Gestik, Betonung und einigen wenigen Worten; Umarmungen, Blickkontakten und Schmunzeleien haben wir jeden und jede geachtet, aufgenommen, akzeptiert und respektiert.

Im Mai hat die Jugendbegegnung „Interaktion – Etkileşim – Hevbandori“ zwischen Diyarbakır (Türkei) und Bremen zum ersten Mal in der Hansestadt stattgefunden. Zuvor sind Bremer Pädagog*innen vom ServiceBureau Jugendinformation, Gewitterziegen e.V. und MOB mit freiwilligen Mitarbeiter*innen im vergangenen Jahr nach Izmir gereist, um dort das Programm im Bereich Medienpädagogik auszuführen. Bei diesem Treffen in Bremen kamen einige wenige Gesichter hinzu, unter anderem auch ich.

Wie es so ist in der türkischen Kultur, gab es viel Gelächter, Musik und Tanz. Dennoch bestand ein Großteil des Programms darin, einander kennenzulernen und uns gegenseitig zu schätzen. Auch wenn einige in unserem Team die Sprachmittlung vom Deutschen ins Türkische und Kurdische sowie umgekehrt übernehmen konnten, gab es viele Situationen, die nach einer Anleitung der Körpersprache bedurften. Die erlebnispädagogischen Spiele!

Methoden der Erlebnispädagogik – Spiele aus der Fantasiewelt meiner Kindheit

Zu sehen ist eine Gruppe die vor einer hölzernen Mauer steht. Einige befinden sich über der Mauer.

© Damla Ekin
Erlebnispädagogische Übung: „Die Mauer“

Der rote Faden, das Spinnennetz oder auch der Moorpfad: Wir hatten in der Jugendbildungsstätte LidiceHaus eine schöne Wiesenfläche mit vielen Parcours, um uns reichlich auszutoben. Hin und wieder hat das Wetter mitgespielt, aber selbst der Regen war kein Hindernis. So sind wir als große Gruppe aus dem Gefängnis ausgebrochen, haben die Spinne besiegt und den Moorpfad durchquert, ohne den Krokodilen zu Futter zu werden. Eine enorme Dynamik und äußerst vorsichtiges Miteinander waren die wesentlichen Aspekte der gemeinsam verbrachten Zeit. Der Besuch im Kletterpark Verden war die Kirsche auf der Sahnehaube.

Mit einer City-Bound-Aktion haben unsere Teilnehmer*innen die Innenstadt kennengelernt. Bei einer Übung einen bestimmten Satz innerhalb von 30 Minuten in beliebig viele Sprachen übersetzen zu lassen, war eine der interessantesten Herausforderungen. Dem folgend kann ich passend zum Slogan „Bremen ist bunt! Wir lieben Vielfalt!“ behaupten: Ja, so ist es.

Rückmeldungen über die sprachliche, soziale und interkulturelle Lernbereitschaft

Abgebildet sind mehrere Personen die an der Schlange vom Kletterparcours anstehen. Sie sind mit Gurten ausgerüstet und tragen Helme.

© Damla Ekin
Kletterpark Verden

Teil des Projekts war außerdem die Einführung in die Jugendarbeit in Bremen. Dafür haben wir unterschiedliche Einrichtungen besucht und kennengelernt wie beispielsweise das Jugendhaus Tenever oder die Buchte. In diesem Kontext haben die angewandten Übungen der Erlebnispädagogik neue Bereiche für die Jugendlichen geschaffen, die sie in ihre Arbeitskontexte oder Anleiter*innentätigkeiten übertragen können.

Oft haben wir nach erlebnispädagogischen Methoden beisammen gesessen und das Geschehen reflektiert. Ziemlich schnell hatten wir die Chance in Kleingruppen Übungen vorzubereiten und diese selbst anzuleiten ­- mit voller Verantwortung. Anschließend fand auch in dieser Runde ein detailliertes und fragenorientiertes Feedback-Gespräch statt, in der die anleitende Gruppe und auch die Teilnehmenden sich gegenseitig austauschen konnten. Zuvor gab es für diesen Austausch eine grundlegende Einweisung.

Eine Persönlichkeitsentwicklung, schöne Freundschaften und der Abschied

Zu sehen ist ein Gruppenfoto vor den Bremer Stadtmusikanten

© Damla Ekin
Teilnehmer*innen der Jugendbegegnung „Interaktion – Etkileşim – Hevbandori“

Trotz des vollen Programms gab es oft, vor allem aber abends, die individuelle Freizeitgestaltung. So hatten wir noch mal die Möglichkeit, uns gemeinsam oder in kleinen Gruppen die schönen Ecken Bremens anzuschauen, die Abenddämmerung an der Schlachte zu genießen oder das Nachtleben im Viertel. Jene, die entspannen und die Zeit ruhig verbringen wollten oder auch minderjährig waren, haben sich zu Gemeinschaftsspielen im LidiceHaus versammelt. Am letzten Abend wurde der Grill angeschmissen, gemütlich beisammen gegessen, das Lagerfeuer entfacht, gesungen und erzählt. Und so ist uns allen der Abschied am nächsten Tag schwer gefallen. Eine Emotionsflut, die ich so nicht beschreiben kann. Jedenfalls habe ich viele Menschen kennengelernt (und auch mich im weiteren Sinne meiner Persönlichkeit), die aus dem Tiefsten ihrer Herzen handeln. Dafür danke ich allen Beteiligten, die diese Begegnung zustande gebracht haben und freue mich auf weitere Projekte, die aktuell in Planung sind.

Damla Ekin

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