Meine Praktikumserfahrungen

Um erst einmal Einblicke in verschiedene Bereiche der Berufswelt zu bekommen, hatte ich mich letztes Jahr nach dem Abitur dazu entschlossen, Praktika zu absolvieren. Nicht zuletzt, weil ich mich noch nicht auf ein Studium oder eine Ausbildung festlegen wollte und konnte, zumal ich auch gar nicht gewusst hätte, in welche berufliche Richtung es gehen soll.

Konferenzraum mit Tischen und bunten Luftballons

(c) Damla Ekin

Mein erstes dreimonatiges Praktikum habe ich bei den „frauenseiten.bremen“ absolviert. Meine Hauptaufgabe bestand darin, selbst Artikel zu verfassen. Da mir relativ freigestellt war, über welche Themen ich berichtete, hat das Recherchieren, Interviewen und Schreiben großen Spaß gemacht. Ich durfte einige Pressekonferenzen besuchen, die im Bremer Rathaus stattfanden, habe durch ein Interview mit einer freien Künstlerin von den Schwierigkeiten und Freiheiten dieses Berufs erfahren, ich habe mich viel mit frauenpolitischen und gendergerechten Themen auseinander gesetzt und an den regelmäßigen Redaktionssitzungen teilgenommen.

Da ich mir zuvor nicht sonderlich viele Gedanken über Feminismus und Gleichberechtigung gemacht habe, fand ich es umso spannender, diese Ansätze näher kennen zu lernen und zu erfahren, was wirklich dahinter steckt. In diesem Zusammenhang habe ich mich zum Beispiel mit Emma Watsons Rede vor der UN auseinandergesetzt, habe die klassischen Rollenbilder bei Kinderspielzeugen kritisch behandelt und über sexistische Werbung diskutiert. Aber ich hatte auch die Möglichkeit, über andere Problematiken und Fragestellungen zu schreiben, die nicht von Frauen oder Feminismus handeln.

Es war ohne Zweifel eine bereichernde und lehrreiche Zeit, die mir einen Zugang zur redaktionellen Arbeit möglich und schmackhaft gemacht hat. Und mir ist bei diesem Praktikum bewusst geworden, wie wichtig und hilfreich es ist, mit Menschen zusammen zu arbeiten, die sich bezüglich des Alters, der Herkunft, der Interessen und Erfahrungen völlig unterscheiden.

Handpuppe, Schaf

Fiete Anders, (c) Marianne Menke

Mensch Puppe!

Meinen zweiten Praktikumsplatz habe ich ebenfalls in Bremen gefunden: „Mensch, Puppe! Das Bremer Figurentheater„. Dieses kleine Theater, das nur aus vier Personen besteht, wurde 2011 ins Leben gerufen und verbindet Figuren- und Objekttheater mit Schauspielerei. Nun könnte man denken, dass „Kasperletheater“ nur etwas für Kinder sei – ganz und gar nicht! „Mensch, Puppe!“ hat neben dem vielfältigen Kinderprogramm auch ein facettenreiches Abendprogramm für Erwachsene. Im Repertoire der Stücke findet sich zum Beispiel Moderner Tanz und Chansonsabende, sowie improvisierte Konzerte, außerdem wird ebenfalls mit historischen Begebenheiten sowie Klassikern „gespielt“. Gegründet wurde „Mensch, Puppe!“ von der Regisseurin Henrike Vahrmeyer,  den Schau- und Puppenspieler*innen Leo Mosler und Jeannette Luft sowie der Schauspielerin Claudia Spörri. Zudem gibt es noch Nathalie Dechend, die als Bürokraft  Presse- und Öffentlichkeitsarbeiten des Theaters übernimmt.

Schauspielerin, Stabpuppe und zwei Puppenspieler

(c) Marianne Menke

Die Arbeitsbereiche, die ich während meines sechsmonatigen Praktikums in dem kleinen Theater mitten im Viertel Bremens kennengelernt habe, lassen sich nicht so einfach aufzählen. Ein großer Teil meiner Beschäftigungen bestand darin, Arbeiten im Büro zu erledigen. Darunter fielen Telefondienst, Kartenverkauf, Reservierungen und Reservierungsbestätigungen, Facebook und Internetauftritt verwalten. Dazu gehörte genauso Bestellungen und Besorgungen machen, sowie Einkäufe tätigen und die Restbestände kontrollieren.

Ein völlig anderer Arbeitsteil dagegen war die Betreuung der Vorstellungen: Vormittags, wenn Kindergarten- und Schulgruppen zu Besuch waren, fiel vorrangig das Kassieren und Schreiben von Quittungen in mein Tätigkeitsfeld, sowie die Ankündigung des Stücks. Was ich ebenfalls gelernt habe, ist, dass vier beziehungsweise fünf Leute sehr wenig sind, um so viele Aufgaben rund um ein eigenes Theater zu bewältigen, insbesondere, wenn es ausgesprochen wenige Zuschüsse und Subventionen gibt. Ich habe weiterhin viel Zeit damit verbracht, das Foyer, den Theaterraum, die Toiletten und den Thekenbereich in Schuss zu halten. Da kommt man um Staubsaugen, Wischen und Aufräumen nicht drum herum. Bei Gastspielen in Schulen beispielsweise durfte ich ebenso assistieren und beim Bühnenaufbau helfen und auch wenn „Mensch, Puppe!“ nicht die allergrößten und modernsten Technikpulte haben, konnte ich dennoch einen Einblick in die Licht- und Tontechnik dieses Theaters werfen. Eine kleine verrückte Erfahrung war der Clownsworkshop, an dem ich mit der Regisseurin und einer Schauspielerin an einem Tag teilgenommen habe. Geleitet wurde der deutsch-französische Kurs von Emmanuel Pouilly, einem Schauspieler und Clown aus der Schweiz.

Schauspieler mit lebensgroßer Puppe

(c) Marianne Menke

In den sechs Monaten, in denen ich Teil des Teams sein durfte, hatte ich zudem das Glück, an der Produktion eines neuen Kinderstückes mitzuwirken. Zu sehen, wie sich das Stück von der Grundgeschichte und einer groben Idee zu einer Auftritt reifen Vorstellung entwickelt hat, war wirklich eine tolle Erfahrung. Besonders das Entstehen und die Verwirklichung der handwerklichen Arbeiten im Bereich Requisite, Ausstattung, Kostüm und Bühnenbau fand ich äußerst spannend zu verfolgen. Als sogenannte „Produktions- und Regieassistenz“ konnte ich die Produktion ein wenig mitgestalten und zum Beispiel bei der Beschaffung und dem Bau der Requisiten helfen.

In diesem Zusammenhang war ich mit einem Teil des Theaters fünf Tage in Holland auf Gastspiel, das zur gleichen Zeit die Premiere des neuen Werks dargestellt hat. Mit einer holländischen Sängerin, die die Geschichte simultan ins Holländische übersetzt hat, konnten zwei Vorstellungen stattfinden, unter anderem bei den Schlossfestspielen im Schloss von Zeist.

Der krönende Abschluss meines Praktikums bei „Mensch, Puppe!“ waren die Open-Air-Vorstellungen im Licht-Luft-Bad in Bremen, die von Ende Juni bis Anfang Juli stattfanden. Zwischen Bäumen und mit Vogelgezwitscher im Hintergrund wurden „Schneewittchen“ und „Rumpelstilzchen“, sowie „Hexen und so“, „Fiete Anders“ und noch weitere Stücke unter freiem Himmel aufgeführt, was natürlich eine völlig andere aber nicht unbedingt weniger schöne Atmosphäre als im Theatersaal herstellt.

Mir hat dieses Praktikum sehr viel Spaß gemacht und eine Menge Einblicke in die verschiedensten Bereiche in der Kulturbranche gegeben, wofür ich sehr dankbar bin. Ich empfehle jedem, sich diese Zeit zu nehmen, bevor man sich auf eine Ausbildung oder ein Studium festlegt. Es war für mich die beste Möglichkeit, aus der Schule und dem Lernstress herauszukommen, eine neue Stadt mit vielen neuen Menschen und schönen Orten kennenzulernen und in die Arbeitswelt hineinzuschnuppern. Natürlich kann einem niemand versichern, dass man nach einem oder mehreren Praktika auf einmal weiß, welches der richtige Studiengang oder die perfekte Ausbildung ist, aber die Erfahrungen, um die man nachher reicher ist, sind absolut goldwert.

Drei Frauen auf der Bühne

Amélie Schlachter, Marjolijn Peper und Claudia Spörri vlnr. (c) Henrike Vahrmeyer

  3 comments for “Meine Praktikumserfahrungen

  1. 21. Oktober 2015 at 12:58

    Ich habe ebenfalls gute Erfahrungen bei meinem Praktikum gesammelt, sodass ich neben der Sprache und der Touristik auch neue Bekanntschaften geschlossen habe. So ein Praktikum kann echt hilfreich sein!

  2. Ronja
    25. Oktober 2015 at 17:18

    Das klingt zum Nachmachen – beide Praktika!!! Danke für den tollen Bericht.

    • Amélie
      24. November 2015 at 7:15

      Danke, Ronja 🙂
      Sehr gerne!

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